So sollen Schüler im Südwesten besser werden - die wichtigsten Fragen & Antworten

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 Die Schüler in Baden-Württemberg sind in verschiedenen Vergleichsstudien abgesackt. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ha
Die Schüler in Baden-Württemberg sind in verschiedenen Vergleichsstudien abgesackt. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat nun Pläne vorgelegt, wie sich die Lage wieder bessern soll. (Foto: dpa)
Landes-Korrespondentin

Das Ziel ist bessere Bildung: Der Stuttgarter Landtag hat am Mittwoch das „Qualitätskonzept Schule“ von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) beschlossen. Dadurch sollen die baden-württembergischen Schüler wieder bessere Leistungen erzielen. Vergleichsstudien der vergangenen Jahre hatten dem ehemaligen Bildungsmusterländle bescheinigt, dass das Können der Schüler im Vergleich zu früheren Erhebungen und im Gegensatz zu den Ergebnissen anderer Bundesländer abgesackt war. Wie sich das nun ändern soll? Das Wichtigste im Überblick:

Was ist problematisch am bestehenden Bildungssystem?

Experten und Praktiker an den Schulen haben mehrere Probleme identifiziert. Die Fortbildung der Lehrer sei zersplittert und viel zu wenig zielgerichtet. Die Schulen würden zudem bislang nicht konsequent und zielgerichtet unterstützt. Eisenmann setzt auf ein sogenanntes Bildungsmonitoring, wie es andere Bundesländer lange schon konsequent betreiben. Die Schulen sollen anhand von Daten in ihrer Entwicklung unterstützt werden.

Was ändert sich nun?

Es gibt gravierende Umbrüche in der Schulverwaltung. Der Landtag hat nun beschlossen, dass zwei neue Institute gegründet werden. Das ist zum einen das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW). Es soll Daten der rund 4500Schulen im Land sammeln, die als Basis für die Schulentwicklung dienen sollen. Zum anderen entsteht das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) mit Hauptsitz in Leinfelden bei Stuttgart und sechs Regionalstellen im ganzen Land. Seine Aufgabe wird es sein, Schulen durch Beratung, Fortbildungen und Materialien zu unterstützen.

Was kostet das?

Zunächst fallen sechs Millionen Euro für neu geschaffene Führungsstellen an. Das Geld ist im Nachtragshaushalt eingeplant. Auch zwischen 2020 und 2023 rechnet das Ministerium mit jährlich etwa sechs Millionen Euro. Diese sollen mittelfristig wegfallen, weil andere Stellen in der Schulverwaltung dafür wegfallen. Für Umzüge und Materialkosten rechnet das Ministerium einmalig mit weiteren 3,6 Millionen Euro, die es aus eigenen Mitteln stemmen will.

Wird das zu mehr Qualität an den Schulen führen?

Die Kultusministerin ist davon überzeugt. Als einen Faktor für den Erfolg hat sie Thomas Riecke-Baulecke zum Chef des ZSL gemacht. Unter anderem bei ihm hat sich Eisenmann in den vergangenen Jahren Rat geholt. Er hat zuvor als Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein einen ähnlichen Wandel in der dortigen Bildungsverwaltung mit verantwortet. Rückendeckung erhält Eisenmann von den Regierungsfraktionen. Die grüne Bildungsexpertin Sandra Boser lobte im Plenum etwa, dass es für Fortbildungen künftig Qualitätskriterien geben wird. Karl-Wilhelm Röhm (CDU) sprach sogar von einem „bildungspolitischen Meilenstein“, der Doppelstrukturen abbaue und den Schulen künftig „qualifizierte Dienstleistungen aus einer Hand“ biete. Sogar die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), die sich als kritischster Begleiter des Umbruchs positioniert hat, erklärt: „Die Ziele des Qualitätskonzepts sind gut.“ Die Wirkung werde aber erst in vielen Jahren zu spüren sein. Eisenmann selbst spricht von etwa zehn Jahren.

Wann beginnt der Umbau der Kultusverwaltung?

Der hat längst begonnen. Deshalb sprach FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke von einem „Bruch in der Arbeit an der Qualität“. Die Fremdevaluation, bei der Lehrer der einen Schule die Arbeit einer anderen begutachten und auswerten, hat Eisenmann auf Eis gelegt. Die GEW kritisiert, dass die Gelder für die Lehrerfortbildung gekürzt worden seien. „Jetzt werden funktionierende Strukturen zerschlagen, bevor neue entstehen“, kritisierte GEW-Landeschefin Doro Moritz am Mittwoch. Für die SPD steht bereits fest: „Dieses Vorhaben wird scheitern“, so der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei im Landtag. Er sprach von „enormem Zeitdruck, keinerlei Transparenz, einem Maulkorb für Beschäftigte und vor allen Dingen Unklarheiten und Unsicherheiten für diese“.

Ist die Kritik berechtigt?

Mitarbeiter in der Kultusverwaltung berichten von Unsicherheit. Viele fühlen sich nicht mitgenommen. Immer wieder wurde die Kritik laut, dass die, die an den neuen Strukturen mitplanten, darüber nicht reden durften. Selbst Sandra Boser von den Grünen mahnte am Mittwoch an, die Betroffenen einzubinden. Etliche Mitarbeiter im Kultusministerium werden künftig ihren Dienstsitz in Leinfelden beim ZSL haben. Auch das schafft Unzufriedenheit. Es herrsche eine gewisse Hysterie, sagt ein Mitarbeiter im Kultusministerium. Dafür sei Eisenmanns nicht sehr transparentes Management in diesem Umbruch verantwortlich.

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