So kontrolliert die Polizei in Freiburg das Betretungsverbot für öffentliche Plätze

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Freiburg
Ein Passant geht über den menschenleeren Platz rund um das Freiburger Münster. (Foto: Philipp von Ditfurth / DPA)

Straßen und Plätze sind weitgehend menschenleer, Parks und Grünanlagen verwaist. In der Einkaufsmeile der Innenstadt, in der samstags sonst dichtes Gedränge das Bild prägt, herrscht gähnende Leere. In Freiburg ist am Samstag wegen der Corona-Gefahr ein Betretungsverbot für Gruppen für öffentliche Orte in Kraft getreten.

Die meisten Menschen halten sich daran, mit Ausnahmen, sagen die Behörden. Die Menschen bleiben entspannt. Das rund 230 000 Einwohner zählende Freiburg, die südlichste Großstadt Deutschlands, ist in der Corona-Krise ein besonderes Pflaster. Sie ist die erste deutsche Großstadt, die öffentliche Orte wegen des Coronavirus für tabu erklärt hat.

An das Betretungsverbot haben sich die Bürger in Freiburg am Wochenende im Großen und Ganzen gehalten. Es gab aber Ausnahmen, wie die Polizei am Sonntagnachmittag festhielt. Die Beamten seien mit erhöhter Präsenz im Einsatz, um die Einhaltung der Corona-Verordnung zu gewährleisten, sagte ein Polizeisprecher.

50 Verstöße in einer Nacht

So kam es zwischen Samstagmorgen und Sonntagmorgen zu mehreren Einsätzen. Insgesamt wurden rund 50 Verstöße festgestellt. Es wurden in einem niedrigen zweistelligen Bereich Straf- und Bußgeldverfahren eingeleitet.

Im Bereich Rheinfelden erfuhr der Polizei von einer im Internet angekündigten Corona-Party. Polizeistreifen konnten vor Ort jedoch keine vermehrten Menschenansammlungen feststellen. Im Landkreis Waldshut wurden zwei angebliche Corona-Partys gemeldet. Beim Eintreffen der Streifen waren die Feiernden aber nicht mehr da. In einem weiteren Fall im Landkreis wurde eine private Feier mit mehreren Personen aufgelöst.

Die Leute kaufen Blumen, um sich in dieser Zeit an etwas erfreuen zu können.

Eine Verkäuferin

Auch Obdachlose, die in Gruppen unterwegs sind, müssen laut der Sprecherin des Polizeipräsidiums Freiburg, Laura Riske, nun einzeln ihre Wege gehen. Einfach nach Hause können diese Menschen naturgemäß nicht. Zudem müssten die Polizisten viele Fragen beantworten. Was ist erlaubt, was nicht? Besonders die Friseure taten sich schwer. Die Polizei setzte die Schließung von mindestens zehn Läden durch, größtenteils Salons.

Das Wetter ist am Samstag in Freiburg schlechter als in den frühlingshaften Tagen zuvor, die Temperaturen sind spürbar gesunken. Die Polizei profitiert davon, weil es somit weniger Menschen nach draußen zieht als sonst. Jogger und Spaziergänger, die unter anderem am Fluss Dreisam unterwegs sind, halten sichtbar Abstand zueinander.

„Man muss die Sache entspannt sehen“, sagt eine Frau auf einem der Freiburger Wochenmärkte. Diese sind am Samstag gut besucht. Einkaufen oder zur Arbeit gehen dürfen die Freiburger. Auch alleine, zu zweit oder mit der Familie dürfen sie unterwegs sein. Nur Gruppen sind untersagt — überall in der Stadt.

Auf den Boden haben die Marktbetreiber Punkte aufgemalt, wer in der Schlange vor dem Marktstand wo stehen sollte. Der Mindestabstand von 1,50 Metern soll so eingehalten werden. Die Marktbesucher halten sich daran, sagt ein Lieferant der Märkte. Gut besucht ist ein Blumenstand auf dem Freiburger Münstermarkt. „Die Leute kaufen Blumen, um sich in dieser Zeit an etwas erfreuen zu können“, sagt die Verkäuferin.

„Wir appellieren, zuhause zu bleiben und die Regeln zum Schutz aller einzuhalten“, sagt Martina Schickle, Sprecherin der Stadt Freiburg. Die Ansteckungsgefahr mit dem Virus sei sehr hoch. Der Samstag sei ein guter Anfang gewesen. Nun gehe es darum, auch in den kommenden Tagen durchzuhalten. Wer die Verbote missachte, müsse mit einem Bußgeld von 500 bis zu 25 000 Euro rechnen.

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