Gefährlich oder hilfreich? Hornissen rufen widersprüchliche Reaktionen hervor.
Gefährlich oder hilfreich? Hornissen rufen widersprüchliche Reaktionen hervor. (Foto: pr)
Philipp Hausmann

18 Verletzte, 13 davon im Krankenhaus: Das ist die Folge eines Hornissenangriffs bei einem Gemeindefest in Weingarten bei Karlsruhe.

Sind die Insekten wirklich so gefährlich wie es klingt? Was sollte man nach einem Stich tun? Diese und weitere Fragen beantwortet Robert Ripberger, der im Auftrag des baden-württembergischen Umweltministeriums rund um das Thema Hornissen und Wespen berät.

Kommt es häufiger zu Angriffen von Hornissen auf Menschen so wie am Sonntag?

Angriffe wie dieser sind laut Ripberger sehr selten. Hornissen seien nicht angriffgslustig, doch je größer das Hornissenvolk, desto größer ist auch dessen Verteidigungsgbereitschaft. Dennoch gebe es keinen "unmotivierten Angriff von den Insekten". Eine Situation wie in Weingarten sei ein "bedauerlicher Vorfall", müsse aber einen Grund gehabt haben.

Warum könnten Hornissen doch angreifen?

Hornissen greifen nicht ohne Grund an, sagt Ripberger. Doch schon kleine Erschütterungen könnten dazu führen, dass die Tiere aufgeschreckt werden. Durch den Stich der ersten Hornisse werden weitere Artgenossen auf einen Menschen aufmerksam. Ein Alarmhormon, das beim Stich ausgeschüttet wird, lockt weitere Hornissen an, die dann ebenfalls zustechen können.

Wie sollte man sich Hornissen gegenüber verhalten?

"Ruhe bewahren und nicht in Panik ausbrechen", empfiehlt der Experte. "Um sich zu schlagen, macht es nur schlimmer." Zudem sollte man sich zügig aus dem Gefahrenbereich begeben.

Wie gefährlich sind Hornissenstiche?

Der Stich ist für die allermeisten Menschen harmlos. Nur für Allergiker kann er schwere Folgen haben. Obwohl das Gift um das Zehnfache schwächer ist als das der Biene, ist der Stich im Vergleich spürbar schmerzhafter. Grund dafür ist nach Angaben von Ripberger das im Hornissengift enthaltene Acetylcholin, das ein höheres Schmerzempfinden hervorruft.

Eine Hornissen hat zugestochen - was tun?

Zunächst gilt es, sich schnell aus dem Nestbereich zu begeben. Dann sollte die Einstichwunde gekühlt werden. Auf keinen Fall sollte man an dieser Stelle kratzen, da Bakterien und Keime, die durch die Hornisse übertragen worden sind, durch Reibung in die Wunde eindringen könnnten. Dies führt zu möglichen Nachinfektionen.

Kommen Hornissen in der Region häufiger vor?

Ja. "Besonders durch den heißen Sommer gibt es in unserer Region so viele Hornissen wie selten zuvor, und auch die Völker sind relativ stark", sagt Robert Ripberger.

Wie leben Hornissen?

Die Insekten leben zusammen in Völkern von etwa 200 bis 300 Arbeiterinnen mit einer Königin. Hornissen sind nachaktiv.

Am Wohnhaus befindet sich ein Hornissennest. Was ist zu tun?

Ripberger sieht es zunächst nicht als ein Problem, wenn sich Hornissen im Garten oder am Haus eingenistet haben.Wer dies dennoch als störend empfindet, soll sich direkt an die Naturschutzbehörde des jeweiligen Landratsamtes wenden. Diese entscheidet über Umsiedlung oder Vernichtung der Nester. Wer selbst aktiv wird und versucht, das Nest zu entfernen, macht sich strafbar. Denn Hornissen stehen unter strengem Artenschutz.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen