Deutsche Presse-Agentur

Eine jahrhundertealte Tradition trotzt der Corona-Pandemie: Zehn Reiter sind am Donnerstag in Westhausen (Ostalbkreis) beim traditionellen Silvesterritt vom Rathaus durch den Ort gezogen. Nur wenige Zuschauer verfolgten die Prozession, die mit Blick auf die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht vorab bekanntgegeben worden war. Die Tradition ist der Dank für das plötzliche Ende einer Viehseuche in dem Ort im 17. Jahrhundert.

Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, waren auch die Reiter nur in größeren Abständen unterwegs. Üblicherweise nehmen mehrere Hundert Reiter an der Prozession teil, so ritten im Vorjahr rund 230 Pferde durch die 6000-Einwohner-Gemeinde.

Die Tradition geht auf das Leid der Bauern aufgrund der Viehseuche zurück. Die verzweifelten Landwirte versprachen damals, eine Kapelle zu Ehren des heiligen Silvesters zu bauen, wenn er sie von der Geißel befreie. Als die Seuche tatsächlich endete, errichteten sie die sogenannte Silvesterkapelle. Bald darauf kam der Brauch auf, am Namenstag des Heiligen zu dem damals einsam auf weiter Flur erbauten Kirchlein zu reiten und Gott mit einem Fruchtopfer zu danken, wie es bei der Gemeinde heißt.

Die Kirchengemeinde habe diskutiert, ob es den Silvesterritt in diesem Jahr geben solle. Es habe jedoch schnell Einigkeit darüber gegeben, dass die Tradition auch 2020 fortgeführt werden soll, sagte Pfarrer Matthias Reiner von der Katholischen Kirchengemeinde St. Mauritius. Die Prozession fand zum 394. Mal statt. Sie habe auch während mehrerer Kriege nicht pausiert, so der Pfarrer.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen