Sience Slam: Wissenschaft rockt Bühne in Ulm

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Der Saarbrücker Informatiker Jens Dittrich (r) und der Ulmer Neurobiologe Henning Beck halten am Dienstag (02.10.2012) ihr Ticke (Foto: dpa)

Mut braucht es, wenn Wissenschaftler auf der Bühne stehen, nur zehn Minuten Zeit haben und das Publikum mit ihrer komplexen Forschungsarbeit begeistern wollen. Beim Sciene-Slam-Vorentscheid Süd gelang dies einem Neurobiologen und einem Informatiker.

Das Publikum im vollen Saal ist mucksmäuschen still und schaut gespannt auf die Bühne im Ulmer Kulturzentrum Roxy. Dort steht Henning Beck, er ist weder Schauspieler noch Sänger — er ist Neurobiologe. Er spricht über Nervenbahnen und wie sie durch Isolierungen Impulse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 400 Kilometern pro Stunde weiterleiten können. Die Zuschauer sind nicht gelangweilt. Beck stellt seine Forschung mit viel Witz und Eloquenz vor und sichert sich beim Science Slam Vorentscheid Süd das Ticket für das Bundesfinale am 9. November in Karlsruhe.

Wissenschaft in zehn Minuten

„Die Stimmung ist sensationell und es macht richtig Spaß, auf der Bühne zu stehen“, sagt der Slammer Beck nachdem er einen tosenden Applaus bekommen hat. Der Ulmer hat mehr Routine als die anderen Slammer an diesem Abend; Beck entschied bereits mehrere Slams für sich. Beim Science Slam geht es darum, in zehn Minuten ein komplexes wissenschaftliches Thema auf kreative Weise den Zuschauern verständlich zu machen. Das Publikum ist gleichzeitig Jury. Der Applaus, gemessen in Dezibel, entscheidet über die Gewinner.

Auch der Informatiker Jens Dittrich aus Saarbrücken qualifiziert sich für das Finale, das während der ARD-Hörspieltage (7. bis 11. November) ausgetragen und im Internet live übertragen wird. „Die Herausforderung ist, das so herunterzubrechen, dass es auch jemand versteht, der nicht Informatik studiert hat“, sagt der 40-jährige Dittrich. „Man muss Emotionen bringen und am besten eine Geschichte erzählen; das funktioniert ganz anders als ein typischer Powerpoint-Vortrag“, sagt Dittrich, der zu Datenbanken im Internet forscht.

Brücke hin zur Kultur

Der Science Slam soll auch eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kultur schlagen. Aber nicht viele Forscher trauen sich auf die Bühne, sagt Julian Looser, Projektleiter Science Slam im Roxy. Dabei müsse entgegen dem gängigen Bild eines Forschers, der im Kämmerlein experimentiert, der Sinn seiner Arbeit vermittelt werden, sagt Looser. „Deswegen: Wissenschaft auf die Bühne!“

Beim süddeutschen Vorentscheid in Ulm verpasste der Münchener Wissenschaftler Markus Berg nur knapp den Einzug ins Finale; auch die Slammer aus Darmstadt und vom Bodensee schieden aus. Acht Slammer, die Besten aus Süd, Nord, West und Ost, treten dann an — um den Titel „Deutscher Master of Science Slam“.

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