Sie wollte „Menschen Angst machen“: Angeklagte gesteht Brandstiftung in Asylunterkunft

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Eine wegen versuchten Mordes, versuchter Brandstiftung mit Todesfolge und schwerer Brandstiftung Angeklagte sitzt im Verhandlung
Eine wegen versuchten Mordes, versuchter Brandstiftung mit Todesfolge und schwerer Brandstiftung Angeklagte sitzt im Verhandlungsaal des Landgerichts. Rechts steht ihr Anwalt Reinhold Branz. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Eine Frau hat zugegeben, in einer Asylbewerberunterkunft und vor einem türkischen Lebensmittelgeschäft im Landkreis Göppingen Feuer gelegt zu haben. In betrunkenem Zustand habe sie im September 2018 „irgendwie Menschen Angst machen“ wollen, erklärte die Angeklagte am Freitag vor dem Landgericht Ulm. Ihr Interesse an Adolf Hitler und an NS-Symbolik habe damit nichts zu tun gehabt, sie sei „kein Nazi“. Allerdings habe sie gegen Muslime einen Groll gehegt.

Nach Überzeugung des Staatsanwalts Patrick Bader legte die 33-Jährige die zwei Brände aus fremdenfeindlichen Motiven. Sie habe den möglichen Tod von 31 Menschen billigend in Kauf genommen: 15 in Wohnungen über dem Laden in Geislingen an der Steige und 16 in der Asylbewerberunterkunft in Bad Überkingen. Angeklagt ist die Frau wegen versuchten Mordes, versuchter Brandstiftung mit Todesfolge und schwerer Brandstiftung. Verletzt wurde bei den Anschlägen niemand.

Abfallsäcke angezündet

Die Beschuldigte soll vor dem türkischen Geschäft Abfallsäcke angezündet haben. Das Feuer wurde von Passanten erstickt. Einige Tage später soll sie die Holztür der Asylbewerberunterkunft in Brand gesetzt haben. Dort seien die Flammen von selbst erloschen. In beiden Fällen habe die Angeklagte flüssigen Grillanzünder benutzt.

Die laut Ermittlungsakten alkoholkranke Deutsche sagte, sie habe vor allem aus Frust über eine gescheiterte Beziehung zu einer anderen Frau gehandelt. Das „Nazi-Zeugs“ sei für sie nicht wichtig gewesen. Es habe ihr nur dazu gedient, sich von ihren gesundheitlichen und seelischen Problemen abzulenken.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart sieht das anders. Sie verweist unter anderem darauf, dass bei der Durchsuchung der Wohnung der Beschuldigten eine Hakenkreuz-Fahne sowie mehrere mit Hakenkreuzen und SS-Runen bemalte Blätter gefunden wurden.

„Kanaken auszurotten“

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Tresenreiter wies zudem auf Erkenntnisse der Ermittler hin, wonach die Angeklagte in Chatmitteilungen Bezug auf Hitler genommen und von „Kanaken“ geschrieben habe, die „auszurotten“ seien. Die Frau räumte bei der Befragung durch den Richter ein, seit Jahren eine Abneigung gegenüber Muslimen zu hegen. Etwa 2014/2015 habe sie als Transsexuelle erleben müssen, wie muslimische Männer sie verhöhnten und beschimpften.

Die mit männlichem Geschlecht geborene Angeklagte hatte sich nach einer Hormonbehandlung amtlich als Frau einstufen lassen. Vor Gericht erklärte sie, weiterhin auch eine operative Geschlechtsumwandlung anzustreben. Staatsanwalt Bader fragte sie: „Haben Sie sich mal überlegt, was mit Ihnen im „Dritten Reich“ geschehen wäre?“ Die Frau bejahte die Frage mit gesenktem Kopf. (Az.: 3 Ks 9 Js 94285/18).

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