Schwert-Angriff: Verdächtiger hatte persönliche Motive

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Blumen schmücken den Tatort in Stuttgart.
Blumen schmücken den Tatort in Stuttgart. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Julia Giertz und Marla Hanenberg

Kerzen und Blumen stehen am Tatort, die Bestürzung ist zwei Tage nach dem Schwert-Angriff in Stuttgart groß: Der inzwischen in Untersuchungshaft sitzende mutmaßliche Täter hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft ausschließlich persönliche Beweggründe.

„Es gibt weder religiöse noch politische Motive“, sagte Staatsanwalt Heiner Römhild am Freitag. Ob der geständige 28-Jährige sich schon zu Details geäußert hat, ließ er offen. Derzeit werde die Identität des Mannes geklärt. Bislang geht die Polizei davon aus, dass er Syrer ist und seit 2015 mit gültigem Aufenthaltsstatus in Deutschland lebt.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach sich für mehr Polizeipräsenz in Wohngebieten aus, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu verbessern. Und Justizminister Guido Wolf (CDU) mahnte gesetzliche Schritte gegen Menschen an, die durch das Teilen von Gewaltvideos den Opfern solcher Kapitalverbrechen die Würde nähmen.

Schon kurz nach der Tat von Mittwochabend kursierten im Internet Videos der Bluttat. Auf offener Straße und am helllichtem Tage starb ein Mensch auf archaische Weise — durch die Hand eines ehemaligen Mitbewohners. Der mutmaßliche Täter soll sein 36-jähriges Opfer nach einem Streit mit zahlreichen Stichen getötet haben.

Derzeit drohen strafrechtliche Sanktionen nur für Bilder, die „die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau“ stellen — gemeint sind lebende Menschen. Wer vergleichbare Fotos von Toten macht, dem drohen zwar zivilrechtliche Sanktionen wie Schmerzensgeld für Angehörige, eine Straftat begeht er aber nicht. CDU, CSU und SPD haben schon im Koalitionsvertrag vereinbart, dass sie das ändern wollen. Das Bundesjustizministerium will dazu „in Kürze“ einen Gesetzentwurf vorlegen, wie ein Sprecher am Freitag sagte.

Der Verdächtige war der Polizei in Stuttgart bereits vor der Tat bekannt, wie ein Sprecher berichtete — ohne jedoch zu sagen, weswegen. Zu Medienberichten, dass der Mann mit einer gefälschten Identität nach Deutschland gekommen sei, sagte der Beamte: „Wir können uns nicht in Spekulationen ergehen.“ Man brauche gesicherte Erkenntnisse. Auch wie der Mann an das Schwert gekommen ist, wird derzeit noch untersucht. Laut einem Waffenhändler sind solche Schwerter frei käuflich ab 18 Jahren.

Der muss wahnsinnig sein, wenn er ein gerades Schwert so verbiegt.

Zeugin

In der Umgebung des Tatorts ist die Bestürzung groß. Gertrud Streeb (61), die im selben Haus wohnt wie das Opfer, sah den Gewaltexzess vom Fenster aus und alarmierte die Polizei. „Der muss wahnsinnig sein, wenn er ein gerades Schwert so verbiegt“, habe sie gedacht. Seit der Tat habe sie nicht mehr schlafen können. Sie berichtet auch, dass die Tochter des Getöteten die Bluttat mitansehen musste. Ein weiterer Bewohner des Hauses erzählt, er habe lange das Blut auf der Straße sehen können. Früher habe er öfter mit dem Täter gesprochen, der vor und nach der Tat ganz anders auf ihn gewirkt habe — „ein Unterschied wie Tag und Nacht“. Am Tatort haben Anwohner mit Kerzen und Blumen ihre Anteilnahme ausgedrückt.

Minister Strobl nannte das Verbrechen „entsetzlich und abstoßend“. „Ein solches Verbrechen mitten auf der Straße lässt niemanden unberührt“, sagte er. Angesichts von Medienberichten, wonach der Mann mit einer gefälschten Identität nach Deutschland gekommen sei, sagte Strobl: „Wir müssen wissen, wer bei uns im Land ist.“ Alles andere könne ein Sicherheitsrisiko sein. „Wer hier ins Land kommt und Schutz sucht, dann aber dieses Land, diesen Staat bei der allerersten Gelegenheit über seine wahre Identität belügt, hat mit scharfen Konsequenzen zu rechnen.“

Die Polizei vernahm am Freitag weitere Zeugen — darunter Anwohner und Bekannte des Opfers und des mutmaßlichen Täters. Es sind laut Polizei Hunderte Hinweise zur Tat eingegangen, darunter viele mit Links zu Videos von dem Angriff.

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