Ein sogenannter Harvester bei der Waldarbeit: Nach dem Willen der Grünen sollen die Regeln für das Bewirtschaften der Wälder in
Ein sogenannter Harvester bei der Waldarbeit: Nach dem Willen der Grünen sollen die Regeln für das Bewirtschaften der Wälder in Baden-Württemberg strenger werden, um den Boden stärker zu schützen. (Foto: dpa)
Landes-Korrespondentin

Spaziergänger und Radfahrer ärgern sich immer wieder darüber: tiefe Furchen im Waldboden, verursacht von schweren Maschinen. Naturschützer beklagen, dass diese den Boden und damit die Lebensgrundlage vieler Arten schädigen. Waldbesitzer und Förster dagegen kommen ohne die maschinelle Hilfe beim Holzfällen nicht aus. Was das Land tut, um den Boden zu schützen und warum den Grünen das nicht genug ist.

Dem Wald wird viel aufgebürdet. Er dient der Erholung, dem Klima- und Artenschutz, und er liefert Holz. Das bringt den einen Geld und allen nachwachsende Rohstoffe. Doch die Interessen kollidieren zwangsweise – so auch beim Holzfällen. Im Einsatz sind immer häufiger Erntemaschinen, die 20 Tonnen und mehr wiegen. Sie können Bäume fällen, die Äste entfernen, die Stämme klein sägen und aus dem Wald schaffen. Das spart Arbeitskräfte und Zeit.

Waldboden geht der Atem aus

Dem Boden fügen die Fahrzeuge erheblichen Schaden zu. Pflanzen und Wurzeln werden zerstört. Außerdem pressen die Kolosse den Boden stark zusammen. Er kann weniger Wasser speichern, der Austausch von Luft und Gasen stockt. Das wiederum hemmt das Wachstum von Pflanzen. Um möglichst wenig Fläche zu befahren, legen die meisten Holzwirte Rückegassen an. Von diesen aus können die Maschinen im Idealfall fast jeden Baum erreichen. Zwar sind die Rückgassen nicht ständig befahren, viele bleiben jahrelang ungestört. Doch schon eine Überfahrt reicht, um den Boden in Mitleidenschaft zu ziehen.

In seinen eigenen Wäldern hat das Land deshalb strikte Regeln aufgestellt. Die Rückegassen müssen einen Abstand von mindestens 40 Metern voneinander haben. Andere Bundesländer sind da weniger streng und geben Abstände von 20 Metern bis 30 Metern vor. Die staatlichen Förster setzen Fahrzeuge mit acht Rädern ein statt solche mit vier oder sechs. So verteilt sich das Gewicht stärker.

Seilkräne für schwer zugängliche Stellen

Schwerer zugängliche Stellen können außerdem mit Seilkränen erreicht werden. Diese erreichen die Bäume an Drahtseilen hängend aus der Luft. Bis zu einen Kilometer können sie überbrücken. Ganz vereinzelt setzt das Land auch Pferde ein, um Holz abzutransportieren.

Außerdem dürfen Maschinen nur eine Fahrspur von höchstens 40 Zentimetern Tiefe hinterlassen. Hier fordern die Grünen Nachbesserungen. Ihr forstpolitischer Sprecher Reinhold Pix sagt: „Wir wollen beim Bodenschutz im Wald noch besser werden. Der Ländervergleich zeigt: Tiefe Fahrspuren im Wald müssen nicht sein.“ In anderen Bundesländern und auch in der Schweiz sind die zulässigen Grenzwerte strenger, liegen zwischen 15 und 30 Zentimetern.

Regeln gelten nur für Landesforst

Außerdem stört Pix noch etwas anderes. Bisher gelten die strengen Vorschriften nur für jene 25 Prozent der Wälder, die dem Land selbst gehören. Zwar halten sich auch zahlreiche Kommunen in ihrem Forst daran. Doch den privaten Besitzern, denen 34 Prozent der Wälder im Südwesten gehören, macht das Landeswaldgesetz nur allgemein gültige Vorgaben, den Boden möglichst zu schützen.

Daten und Zahlen zum Wald

„Unserer Ansicht nach bedarf es hier keiner weiteren Regulierungen“, sagt Ulrike Staudt von der Forstkammer, in der sich private und kommunale Waldeigentümer zusammengeschlossen haben. „Der Waldeigentümer muss im Rahmen des Gesetzes selbst entscheiden dürfen, wie er seinen Wald bewirtschaftet.“ Die Unternehmer gingen schon aus eigenem Interesse schonend mit dem Wald und seinen Böden um. „Es liegt im Selbstverständnis der Waldeigentümer, ihre Wälder pfleglich zu bewirtschaften, um auch den künftigen Generationen einen fruchtbaren Boden zu hinterlassen“, erklärt Staudt.

Freiwillige Zertifizierung

Viele Waldbesitzer lassen ihr Holz zudem freiwillig mit Siegeln wie jenen von FSC oder PEFC zertifizieren. Diese bekommt, wer umweltverträglich und sozial gerecht wirtschaftet. 82 Prozent der Waldflächen in Baden-Württemberg haben eines der Siegel. Die Vorgaben dort sind aber nicht so streng wie jene im Staatsforst.

Deshalb pochen Grünen auf striktere Regeln auf für Private: „Die Verbesserungen beim Bodenschutz haben in unserem Staatswald Vorteile gebracht – für die Forstwirtschaft ebenso wie für den Umweltschutz. Jetzt müssen diese Standards auf alle öffentlichen Wälder übertragen und hierfür starke Anreize für Privatwälder gesetzt werden“. Seit Ende 2015 fördert das Land bodenschonende Fällmethoden. 2017 flossen nach Auskunft des Agrarministeriums dafür rund 80 000 Euro.

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