„Schwörtage“ sollen Immaterielles Kulturerbe werden

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Der Ulmer OB Gunter Czisch auf dem Balkon des Schwörhauses
Der Ulmer OB Gunter Czisch auf dem Balkon des Schwörhauses. (Foto: Stefan Puchner/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Tradition der „Schwörtage“ sollte nach Ansicht der Städte Esslingen, Reutlingen und Ulm als Immaterielles Kulturerbe anerkannt und geschützt werden. Die drei Kommunen, in denen sich Bürgerschaft und Stadtobrigkeit nach wie vor gegenseitig die Treue versprechen, haben einen Antrag eingereicht, wie sie am Freitag mitteilten.

Die Schwörtage seien „Ausdruck kommunaler Demokratie und Selbstbestimmung“ und ein „wichtiges Element für das Selbstverständnis der ehemaligen Reichsstädte“, heißt es im Antrag. Außerdem verwiesen die Tage auf historische Verbindungen und Gemeinsamkeiten der einstigen Reichsstädte im deutschen Südwesten.

Entscheiden muss nun das Wissenschaftsministerium, das zunächst bis zu vier aussichtsreiche Anträge an die Deutsche Unesco-Kommission weiterleitet, die wiederum über eine Empfehlung für die nationale Kulturerbeliste berät. Überdies besteht die Chance, ins Rennen um die internationale Anerkennung zu gehen.

Reichsstädte waren im Mittelalter die Städte, die vom König gegründet wurden und ausschließlich ihm zu Diensten und Abgaben verpflichtet waren. Die gegenseitigen Treueschwüre waren dort ein wesentliches Element der Politik, sie dienten auch der Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung. Denn mit einem „Schwörtag“ stärkte die Bürgerschaft Jahr für Jahr ihre Gemeinschaft. Bei der Zeremonie leisteten sowohl die Stadtregierung als auch die Bürger einen Eid auf die Stadtverfassung. Die gegenseitige Verpflichtung war für das Selbstverständnis einer Stadt von zentraler Bedeutung.

Am bekanntesten ist der Schwörtag von Ulm, wo sich die Tradition vom Mittelalter ununterbrochen bis heute gehalten hat. In Esslingen wurde der Brauch 1990 nach 188-jähriger Pause wieder aufgenommen. Reutlingen führte seinen Schwörtag nach 203-jähriger Pause 2005 wieder ein.

Schwörtage gab es aber in allen Reichsstädten. Davon lagen 24 auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg, unter anderem auch Heilbronn, Offenburg, Ravensburg, Rottweil und Schwäbisch Hall.

Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

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