Christian Schellenberger

Zack - plötzlich ist die Tür ins Schloss gefallen und der Schlüssel liegt noch in der Wohnung. Gerade in Baden-Württemberg müssen Verbraucher für die Notöffnung tief in die Tasche greifen.

Mehr als 80 Euro müssen Verbraucher für eine Tür-Notöffnung im Durchschnitt im Land bezahlen - damit gehört Baden-Württemberg zu den teuersten Bundesländern. In einer bundesweiten Umfrage der Verbraucherzentralen unter 600 Schlüsseldiensten waren nur Türöffnungen im Saarland und in Rheinland-Pfalz noch teurer. Ermittelt wurden jeweils die Kosten für die Öffnung einer Tür, die lediglich ins Schloss gefallen ist - plus die Anfahrt aus der näheren Umgebung.

Mit durchschnittlich 71 Euro je Türöffnung liegt Bayern im Gegensatz zum Südwesten im Mittelfeld, am günstigsten ist der Einsatz eines Schlüsseldienstes in Thüringen mit knapp 60 Euro.

Abends und am Wochenende zahlen Baden-Württemberger am meisten

Deutlich mehr wird fällig, wenn der Schlüsseldienst am Abend oder an Sonn- und Feiertagen anrücken muss. Dann fallen laut Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg im Durchschnitt fast 150 Euro für eine einfache Türöffnung an - bundesweite Spitze. In Bayern kostet die gleiche Leistung durchschnittlich knapp 120 Euro.

„Erheblich über oder unter den Durchschnittswerten sollte ein seriöses Angebot nicht liegen“, rät die Verbraucherzentrale im Internet. Zudem sollten folgende sieben Punkte beachtet werden:

  • Preise vergleichen: Trotz der Notsituation sollten Verbraucher einen kühlen Kopf bewahren und vorab Preise vergleichen. Überregionale Schlüsseldienste haben oft längere Anfahrtszeiten als lokale Dienstleister, was sich in den Preisen niederschlagen kann.
  • Festpreis vereinbaren: Vor der Auftragsvergabe sollte nach einem verbindlichen Komplettpreis gefragt werden. Der Festpreis sollte bereits die Anfahrt und eventuelle  Zuschläge enthalten, rät die Verbraucherzentrale.
  • Genau schildern, was passiert ist: Ist die Tür abgeschlossen oder nur ins Schloss gefallen? Ist ein Sicherheitsschloss betroffen? Je genauer Verbraucher die Bedingungen schildern, desto besser kann der Notdienst kalkulieren.
  • Genau angeben, was gemacht werden soll:  Verbraucher sollten vorher festlegen, ob nur die verschlossene Tür geöffnet werden soll - eine Auswechslung des ganzen Schlosses sei in den meisten Fällen nicht nötig, erklärt die Verbraucherzentrale. Für das Gespräch sollten Betroffene Zeugen hinzuziehen, um Vereinbarungen nachweisen zu können.
  • Auf Zuschläge achten: Laut Verbraucherzentrale sollten Schlüsseldienste Zuschläge nur außerhalb der üblichen Arbeitszeiten verlangen. „ Sofortzuschläge“ oder Zuschläge für Spezialwerkzeug seien unzulässig.
  • Nur bezahlen, was vereinbart wurde: Die Rechnung sollte vor der Unterschrift genau geprüft werden. Passagen, die nicht vereinbart wurden, sollten gestrichen werden. Verbraucher sollten erst bezahlen, wenn eine detaillierte Rechnung vorliegt und diese der Vereinbarung entspricht. Die Bezahlung auf Rechnung hat noch einen anderen Vorteil: Verbraucher können dann einen Teil der Kosten von der Steuer absetzen.
  • Nicht nötigen lassen: Verbraucher sollten sich nicht unter Druck setzen lassen. Sollte der Handwerker drohen, die Tür wieder zu verschließen, sollte laut Verbraucherzentrale die Polizei gerufen werden. Das gilt auch, wenn man den Verdacht hat, Opfer eines unseriösen Schlüsseldienstes geworden zu sein.

Ratschläge wie diese veröffentlichen die Verbraucherzentralen immer wieder, um vor überteuerten Rechnungen zu warnen. Kritik gibt es von den Schlüsseldiensten. „Aus Mangel an Kenntnissen über die verschiedenen Öffnungstechniken und des Zustandekommens des Preises sind diese Beratungen/Warnungen oft nicht korrekt", heißt es auf der Internetseite eines Schlüsseldienstes. „Oftmals entsteht der Verdacht, alle Schlüsseldienste seien unseriös“, sagt auch Jürgen Spermann vom Bundesverband Sicherheitstechnik Deutschland. Tatsächlich handele es sich aber um einzelne schwarze Schafe.

Höhere Kosten für das Unternehmen

Durchschnittlich rund 100 Euro seien laut Spermann für eine einfache Türöffnung durchaus angemessen. Wer am Wochenende oder am Abend den Schlüsseldienst rufe, müsse mit Zuschlägen zwischen 50 und 150 Prozent rechnen. Für Mitarbeiter entstünden zu Nachtzeiten oder am Wochenende zusätzliche Kosten, die der Unternehmer letztlich auf den Auftraggeber umlegen müsse. 

„Neben dem Monteur muss das Unternehmen ja oft auch noch eine Rufbereitschaft rund um die Uhr beschäftigten“, sagt Spermann. Hinzu kämen Kosten für Spezialwerkzeuge und deren Verschleiß sowie für Schulungen. Das habe seinen Preis. 

Statt dem Schlüsseldienst die Feuerwehr zu rufen, ist in vielen Fällen übrigens keine gute Idee. Wenn sich herausstellt, dass keine Gefahr für Leib und Leben besteht, können schnell mehrere hundert bis tausend Euro fällig werden. Ganz abgesehen davon, dass die missbräuchlich alarmierten Feuerwehrleute nicht gleichzeitig bei echten Notfällen helfen können.

Im Umkehrschluss sollte man allerdings auch nicht zögern, wenn man eine Gefahr vermutet. Das kann etwa der Fall sein, wenn sich eine Mutter ausgeschlossen hat, während ihr kleines Kind sich allein in der Wohnung befindet. Ebenfalls angebracht den Notruf zu wählen ist es, wenn man offenes Feuer - etwa brennende Kerzen - in der Wohnung hat.

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