Schafherde von Zug überrollt: Bevölkerung spendet für gebeutelte Schäferei

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49 Schafe starben, als sie von einem Zug überrollt wurden. Der Schäfer hat einen schlimmen Verdacht. (Foto: dpa)

Wenn Hanne Pföst von der Schäferei Singen heute einen Seehas vorbeifahren sieht, läuft ihr jedes Mal ein eiskalter Schauer über den Rücken. Schreckliche Bilder kommen ihr beim Anblick des Zuges, der zwischen Singen und Stuttgart verkehrt, in den Kopf. Denn mit dem Seehas sind vor gut drei Monaten rund 50 Tiere der Schäferei überfahren worden.

Die Bundespolizei Konstanz nahm damals die Ermittlungen auf, denn der zuständige Schäfer Michael Thonnet glaubte, dass sich jemand am Zaun der Herde zu schaffen gemacht hatte. Doch bisher konnte kein konkreter Tatverdächtiger ermittelt werden. Das teilte die Bundespolizei  auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung mit. Die Akten seien nun an die Staatsanwaltschaft übergeben worden. Diese muss entscheiden, wie weiter verfahren werden soll. „Vermutlich wird das damit aber eingestellt“, heißt es von der Bundespolizeiinspektion in Konstanz.

Der Unglückszug, nachdem er in die Schafherde gerast ist. (Foto: Bundespolizei)

Für die Schäfer aus Singen steht jedoch fest: Hundebesitzer haben das schlimme Unglück verursacht. „Das war ganz klar ein freilaufender Hund, der da wohl in den Zaun gekommen ist. Die Besitzer müssen dann den Strom abgeschaltet haben. Und aus Panik sind die Schafe dann auf die Gleise gerannt“, beschreibt Hanne Pföst von der Schäferei Singen ihre Vermutung. Eindeutigstes Indiz für sie: Eines der Schafe wies ganz klare Spuren eines Hundebisses auf.

Das Unglück bewegte auch die Menschen in der Region. Viele Singener Bürger haben auf einen Spendenaufruf von Bürgermeisterin Ute Seifried und Gemeinderat Walafried Schrott reagiert und der Schäferei finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Das war ganz klar ein freilaufender Hund, der da wohl in den Zaun gekommen ist. Die Besitzer müssen dann den Strom abgeschaltet haben. Und aus Panik sind die Schafe dann auf die Gleise gerannt“

42 neue Merino-Lämmer konnten mithilfe der Spenden als Ersatz für die toten Tiere beschaffen werden. „Bis die neuen Tiere so weit sind wie die alten, dauert es aber bestimmt noch ein Jahr“, erklärt Pföster. Die Unterstützung aus der Bevölkerung sei ein erster Trost.

Weidezaun an einer Wiese auf der Schafe weiden
Ein Weidezaun der unter Strom steht an einer Wiese auf der Schafe weiden. (Foto: Uli Deck / DPA)

Trotzdem ist sie enttäuscht: „In den 20 Jahren, in denen ich nun hier bin habe ich ganz schlechte Erfahrung mit freilaufenden Hunden gemacht. Da heißt es dann immer, die wollen doch nur spielen. Aber leider ist das kein Spiel mehr“, sagt Hanne Pföst. Sie appelliert an die Besitzer und hofft, dass ein derartiger Vorfall wie der im Juni nicht noch einmal passieren muss. „Am Ende sind wir einfach machtlos gegen so etwas. Weil wir nicht genug Personal haben, können wir nicht 24 Stunden am Tag auf unsere Schafe aufpassen“, erklärt Pföst.

Am Ende sind wir einfach machtlos gegen so etwas. Weil wir nicht genug Personal haben, können wir nicht 24 Stunden am Tag auf unsere Schafe aufpassen“

Glück im Unglück für die Herde sei eine Entscheidung von Schäfer Thonnet gewesen: Kurz vor dem Unfall hatte er die trächtigen Tiere nämlich von der Weide genommen. „Wären die noch auf dem Feld gewesen, hätten vielleicht noch mehr Tiere leiden müssen.“

Und auch mit dem Zug hätte schlimmeres passieren können. „Wäre es ein ICE gewesen, so hat die Bahn uns mitgeteilt, dann wäre der Zug wohl entgleist“, so Pföst.

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