Raser verursacht tödlichen Unfall - und wird jetzt wegen Mordes angeklagt

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Autowracks
Zwei Autowracks stehen nach einem Zusammenprall am Straßenrand.  (Foto: DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Knapp vier Monate nach dem tödlichen Sportwagenunfall in Stuttgart hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen den Fahrer erhoben. Der 20-Jährige soll bei vollständig durchgedrücktem Gaspedal mit einer Geschwindigkeit von 160 bis 165 Stundenkilometern unterwegs gewesen sein.

„Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wäre damit um das Dreifache überschritten worden“, teilte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch mit. Der Fahrer habe den Tod anderer Verkehrsteilnehmer zumindest billigend in Kauf genommen. Zuerst hatten die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet.

Trauer nach Unfall in Stuttgart
Blumen und Grablichter liegen an der Unfallstelle in der Rosensteinstraße in Stuttgart. (Foto: Fabian Sommer / DPA)

Der junge Mann hatte Anfang März die Kontrolle über sein 550 PS-starkes Mietauto verloren, als er einem anderen Fahrzeug ausweichen wollte. Anschließend war er in einen Kleinwagen geprallt. Dessen 25-jähriger Fahrer und seine 22 Jahre alte Beifahrerin starben am Unfallort.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der 20-Jährige das Gaspedal voll durchgedrückt, um die höchstmögliche Geschwindigkeit des Sportwagens auszutesten. Als er einem anderen Fahrzeug an einer Kreuzung ausweichen wollte, verlor er die Kontrolle über sein Auto. 

Zunächst wegen fahrlässiger Tötung ermittelt

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen fahrlässiger Tötung gegen den 20-Jährigen ermittelt, der selbst unverletzt geblieben war. Aber schon kurz nach dem Unfall Anfang März erklärte die Behörde, dass eine Hochstufung auf Totschlag oder sogar Mord möglich sei. Entscheidend war dabei ein Gutachten zur Geschwindigkeit.

Wir sagen, das Risiko hat er gesehen.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft

Der Fahrer hatte laut Staatsanwaltschaft in Kauf genommen, dass es zu Unfällen kommen könnte: Andere Verkehrsteilnehmer hätten seine Geschwindigkeit nicht richtig einschätzen können, er selbst hätte nicht mehr rechtzeitig reagieren können.

Ob Menschen sterben oder nicht, habe demnach lediglich vom Zufall abgehangen, erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft: „Wir sagen, das Risiko hat er gesehen“ — der bedingte Tötungsvorsatz sei demnach gegeben.

Anfang März hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe erstmals ein Mordurteil gegen einen rücksichtslosen Raser bestätigt. Der Mann hatte 2017 in Hamburg mit einem gestohlenen Taxi einen Menschen getötet und zwei schwer verletzt. Das Landgericht Hamburg verurteilte den zur Tatzeit 24 Jahre alten Mann im Februar 2018 zu lebenslanger Haft.

Das deutschlandweit erste Mordurteil im Februar 2017 hatte der BGH hingegen kassiert. Die Richter sahen den bedingten Tötungsvorsatz bei den beiden Angeklagten nach einem tödlichen Autorennen in der Berliner Innenstadt nicht ausreichend belegt.

Im neu aufgerollten Prozess wurden die Männer im März dann erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig — ein Verteidiger erklärte gleich nach Verhandlungsende, er habe Revision eingelegt.

In Baden-Württemberg ist dem Justizministerium keine andere Mordanklage gegen Raser bekannt. Nach dem Unfall in Stuttgart kam der deutsche Staatsangehörige in Untersuchungshaft. Weil er zum Tatzeitpunkt jünger als 21 Jahre war, gilt er als Heranwachsender, und es wird vor einer Jugendkammer verhandelt. Ein Termin steht noch nicht fest.

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