Bislang kommen Fluggäste am unterirdischen S-Bahnhof an – in Zukunft sollen Passagiere im Zwei-Stunden-Takten mit Zügen des Schn
Bislang kommen Fluggäste am unterirdischen S-Bahnhof an – in Zukunft sollen Passagiere im Zwei-Stunden-Takten mit Zügen des Schnellverkehrs den Flughafen in Stuttgart erreichen. Doch die DB will die Strecke zwischen Ulm und dem Flughafen nur drei Mal (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Die Pläne der Deutschen Bahn, nur drei IC-Züge pro Tag und Richtung von München über Ulm zum künftigen Flughafen-Bahnhof in Stuttgart fahren zu lassen, stoßen auf entschiedenen Widerspruch bei Landespolitikern. Die Bahn müsse ihr Versprechen halten, ab Mitte der 2020er-Jahre Oberschwaben, das Allgäu und Ulm mit IC-Schnellzügen im Zweistundentakt und ohne Umstieg in Stuttgart an den Flughafen anzubinden.

Stein des Anstoßes ist ein Schreiben des Landesverkehrsministeriums, das am Wochenende bekannt geworden war und der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt: Der S-21-Filderbahnhof werde nach seiner Fertigstellung „voraussichtlich“ je drei IC-Anbindungen pro Tag in Richtung Ulm/München und umgekehrt haben, heißt es unter Verweis auf Angaben der DB Fernverkehr. Allerdings gibt es bisher weder einen Planfeststellungsbeschluss noch Termine für den Baubeginn des Filderbahnhofs.

Landesregierung will protestieren

Ein Sprecher der Bahn bestätigte am Montag, dass sich das Angebot, von Ulm mit schnellen, attraktiven Verbindungen den Flughafen Stuttgart anzufahren, „auch weiterhin auf den Regionalverkehr fokussieren“ werde. Hier seien täglich 18 Zugverbindungen – jeweils hin und zurück – geplant. Die Reisezeit der Züge, die zusätzlich auch in Merklingen halten werden, werde etwa 35 Minuten betragen. Dieses Angebot werde durch Züge des Fernverkehrs ergänzt.

Der Sprecher räumte ein, dass sich im Vergleich zum ursprünglich geplanten Betriebsprogramm das Angebot des Grundtakts verändert habe. Auch werde die Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar deutlich später als geplant fertig: „Unter diesen neuen Prämissen musste der Fernverkehr seinen Anteil am Betriebsprogramm anpassen.“

Ein Sprecher des Ministeriums bekräftigte am Montag, die Landesregierung werde Pläne nicht akzeptieren, deutlich weniger schnelle Züge in Richtung Ulm und München sowie zurück am Flughafenbahnhof halten zu lassen. Dieses Vorhaben weiche von früheren Zusagen und den Ergebnissen des Stresstests vor der Volksabstimmung 2011 ab. Die Interregio-Express-Züge mit Halt in Merklingen seien kein gleichwertiger Ersatz.

Zustimmung für S 21

Vor der Volksabstimmung über das Bahnprojekt Stuttgart21 hatten die Befürworter mit dem Argument geworben, von Ulm aus werde über die Schnellfahrstrecke der Flughafen der Landeshauptstadt in 24 Minuten, der Tiefbahnhof in der Stadtmitte in 28 Minuten zu erreichen sein. Ein „Nein“ bedeute für Heidenheim, Ulm und für ganz Oberschwaben die Gefahr, vom West-Ost-Verkehrsstrom abgehängt zu werden. Die Zustimmung zu Stuttgart 21 fiel in Oberschwaben und Ulm höher aus als in vielen Landesteilen:

Der damalige Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD), seinerzeit einer der vehementesten Anhänger der Schnellfahrstrecke von Ulm nach Stuttgart wie des gesamten Projektes, hat heute nur eine Bewertung für die neuen Pläne der Bahn: „Ich gehe davon aus, dass die spinnen.“ Und Gönner empfiehlt: „Erst bauen, dann entscheiden.“ Nach seiner Erfahrung werde die Neubaustrecke nach ihrer Fertigstellung so gut angenommen, „dass die Bahn keinen Zweistunden-takt für Schnellzüge von Ulm über den Flughafen nach Stuttgart einsetzen wird, sondern einen Stundentakt einführt.“

Viel Kritik

Auch der Flughafen selbst verwies auf getroffene Vereinbarungen. „Wir erwarten, dass die Deutsche Bahn die Zugverbindungen über den Landesflughafen in der Qualität und Quantität anbietet, wie dies dem Verkehrskonzept als Basis der Finanzierungsvereinbarung entspricht“, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Walter Schoefer. Dafür steuere der Flughafen insgesamt 359 Millionen Euro zu Stuttgart 21 – der Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens – bei.

Verkehrspolitiker aus Bund und Land kritisierten die Fahrplan-Entwürfe der Bahn: Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Thomas Dörflinger beispielsweise spricht von einem „Armutszeugnis der Bahn“: „Es ist ein großer Schlag ins Gesicht. Der Stresstest hatte einen ganztägigen Zweistundentakt vorgesehen. Drei Stopps pro Tag sind viel zu wenig“, sagte der Biberacher Abgeordnete der „Schwäbischen Zeitung“: „Die Projektpartner nehmen sehr viel Geld in die Hand, um am Flughafen die Infrastruktur für eine echte Mobilitätsdrehscheibe, die alle Verkehrsträger verknüpft, zu schaffen.“

SPD erinnert Bahn an Zusagen

Einen „Skandal“ nennt der SPD-Fraktionsvize im baden-württembergischen Landtag, der Ulmer Abgeordnete Martin Rivoir, die Pläne: „Wir erwarten von der Deutschen Bahn, dass sie ihre gemachten Zusagen einhält und den neuen Flughafenbahnhof zu einer wirklichen Verkehrsdrehscheibe zwischen Fern- und Regionalverkehr, Bussen und Bahnen sowie Flugzeug und Auto entwickelt."

„Mehr als ärgerlich“ kommentiert Matthias Gastel (Grüne), Bundestagsabgeordneter und Verkehrspolitiker aus Baden-Württemberg, „aber nicht überraschend“. Gastel hat eine Erklärung: „Die Deutsche Bahn hat in den letzten Jahren auch die Fernverkehrs-Angebote an anderen Flughäfen, so etwa in Düsseldorf, Leipzig/Halle und Köln/Bonn, spürbar ausgedünnt. Offenbar rechnen sich mit Ausnahme des Frankfurter Flughafens eigenwirtschaftliche Fernbahnverbindungen zu Flughäfen für die Bahnunternehmen wie die DB häufig nicht.“

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