Pferdeschändungen werden oft nur zufällig entdeckt
Pferdeschändungen werden oft nur zufällig entdeckt
Schwäbische Zeitung
Klaus Wieschemeyer
Redakteur

Manchmal wird die Tat nur durch Zufall entdeckt: Nur weil die Tierärztin sowieso da war, zeigte ein Pferdebesitzer 2012 einer Tierärztin den kleinen Schnitt an der äußeren Schamlippe seiner Stute. „Lediglich aufgrund der Berichterstattung in der Presse“ kommt er überhaupt auf die Idee, dass hinter der Wunde keine Beißerei unter Tieren, sondern eine Pferdeschändung durch Menschen stecken könnte. Die nähere Untersuchung bringt dann weitere innere Verletzungen zutage: Schwellungen, Einblutungen – das Tier muss zum Arzt.

Kein ungewöhnlicher Fall, sagt die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. Wie viele Tiere im Land jährlich missbraucht werden und ob die Zahl zu- oder abnimmt, steht in den Sternen. Die Behörden gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, insbesondere bei der Schändung von Pferden. Dem Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) sind in den Jahren 2011 und 2012 zwar landesweit lediglich 24 Verdachtsfälle aktenkundig geworden, doch manche Fälle wurden nur eher zufällig entdeckt.

Bündelung in Karlsruhe

Weniger Zufall und mehr Struktur erhofft sich das MLR durch Bündelung der Meldungen zu möglichen und tatsächlichen Tierschändungen beim Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Karlsruhe.

„Das CVUA sollte über jeden Fall möglichst frühzeitig, vorzugsweise schon zu Beginn der Ermittlungen, benachrichtigt werden“, heißt es in einem Erlass des Ministeriums an die Regierungspräsidien. Auch Polizeidienststellen und Tierärzte sollen über die neue Zuständigkeit informiert werden.

Denn die Suche ist oft beschwerlich: „In der Regel findet man keine Hinweise auf den Verursacher. Oft werden die Taten ja auch erst Tage später oder gar nicht erkannt“, sagt Jäger. Auch im Fall von Kressbronn gab es zunächst keine heiße Spur: Erst Mitte April hatte ein Unbekannter in einem Ortsteil vier Stuten im Genitalbereich verletzt.

Verbotenes artwidriges Verhalten

Das Phänomen ist nicht neu: Berichte über Sodomie oder Zoophilie finden sich auch in alten Büchern. Der Bremer Kriminalpsychologe Professor Dietmar Heubrock hat sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Er geht sogar davon aus, dass der sexuelle Kontakt einiger alleinstehender Männer zu Tieren in ländlichen Gebieten zu früheren Zeiten durchaus von der Gesellschaft toleriert wurde. Das ist heute definitiv anders: Im Juli 2013 war das Tierschutzgesetz verschärft worden. Seitdem ist es nicht nur verboten, Tiere zu schädigen. Ausdrücklich untersagt ist nun auch, „ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen“.

Cornelie Jäger begrüßt die Verschärfung: „Die Gesetzesänderung macht deutlich, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Dieses gesellschaftliche Signal ist sehr wichtig“, sagt sie. Auch Dietmar Heubrock sieht in der Pferdeschändung kein Kavaliersdelikt. Es könne durchaus sein, dass sexuell-sadistisch veranlagte Täter die Verstümmelung von Pferden nur als „Vorläuferdelikte“ auf dem Weg zu menschlichen Opfern sähen. Es gebe Täter, die bei „ihrem Tier“ bleiben. Andere würden sich langsam an ihre „Maximalphantasie“ heranarbeiten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen