NSU-Morde: es bleiben Fragen

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MühsameAufklärung
MühsameAufklärung (Foto: Roland Rasemann)
VonKatja Korf

Zehn Tote, ermordet aus Fremdenhass und Ablehnung dieses Staates. Ermordet von drei Rechtsterroristen. Diese perfiden Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) liegen lange zurück. Ihre Aufarbeitung erweist sich als mühsam. So brachte der zweite NSU-Untersuchungsausschuss im Stuttgarter Landtag wenig Neues zutage, er hat sich aber dennoch gelohnt. Doch wer aus dem NSU lernen will, muss mehr tun als aufklären.

Zunächst ist es ein Verdienst, Verschwörungstheorien als solche zu entlarven. Nach allem, was derzeit bekannt ist, steht fest: Den Polizistenmord auf der Heilbronner Theresienwiese hat der NSU begangen. Verwicklungen ausländischer Geheimdienste oder von Islamisten scheinen damit widerlegt. Es zählt zu den unbefriedigenden Antworten, dass der Ausschuss keine Unterstützer des Terror-Trios im Südwesten finden konnte. Dass es diese nicht gab, halten viele Experten weiter für sehr unwahrscheinlich, doch es gibt eben keine Beweise dafür. Wohl aber dafür, dass es eine aktive rechte Szene im Südwesten gibt. Der NSU mag Geschichte sein, seine ideologische Heimat ist es nicht.

Allerdings offenbarte der Ausschuss ein Grundproblem. Es zeigte sich bei der Befragung zahlreicher Zeugen aus der rechten Szene. Viele Parlamentarier können sich schlicht nicht vorstellen, wie junge Menschen auf Abwege geraten. Sie bewegen sich in einem Umfeld, über dessen Tellerrand der Blick nicht reicht. Da fragt ein Abgeordneter, was die Eltern einer Zeugin dazu gesagt haben, wenn diese eine Unbekannte, nämlich Beate Zschäpe, mit nach Hause brachte. Dass es Eltern gibt, die sich um so etwas nicht kümmern – unvorstellbar. Eine Parlamentarierin war empört, dass es Jugendliche „ohne Vorbilder oder politisches Interesse“ geben soll, die sich mit Musik und Bier begnügen. Dass das für sehr viele Teenager gilt – kam im Weltbild nicht vor.

Wer Politik machen will, darf sich nicht nur beim eigenen Klientel bewegen. Wenn etwas schiefläuft, zeigt sich das oft zuerst außerhalb des eigenen sozialen Biotops.

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