Neue Partei von Uwe Hück setzt auf bisherige Nichtwähler

Uwe Hück
Uwe Hück spricht bei der Gründung der „Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel“. (Foto: Uli Deck / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Hergebrachte Strukturen aufbrechen, Funktionären den Kampf ansagen und neue Wählergruppen ansprechen - das will eine neue Partei, die der frühere Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück (58) am Samstag mit Mitstreitern gegründet hat. Die „Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel“ will erstmals zur Bundestagswahl antreten. Sie wolle ein größeres Meinungsspektrum zulassen als die klassischen Parteien, sich aber klar „gegen Nationalismus und Wissenschaftsleugnung“ abgrenzen, sagte der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Christoph Mährlein, bei der Gründungsversammlung im ehemaligen Möbelzentrum Birkenfeld bei Pforzheim.

Mährlein zufolge sollen auch Menschen erreicht werden, die sich bisher nicht in der Politik vertreten fühlen: „Prekär Beschäftigte, kleine und mittlere Unternehmer, benachteiligte Jugendliche, Arbeitnehmer, Bürger dieses Landes, die mit den bürgerlichen Parteien nicht zufrieden sind und sich Veränderung wünschen.“

Es sei keine „Hück-Partei“, versichern die Gründer.

Bundesvorsitzender ist der Unternehmer Sebastian Haase (46/ehemals CDU). Spitzenkandidat Mährlein (53) ist Rechtsanwalt und Ex-Chef des Pforzheimer SPD-Kreisverbands.

Hück wurde als Parteisprecher und Vize-Chef gewählt. Das langjährige ehemalige SPD-Mitglied hatte im Dezember die Genossen nach internem Zwist verlassen. Dabei hatte die SPD dem wortgewaltigen Streiter für Arbeitnehmerrechte nach seinem Abschied bei Porsche vor zwei Jahren noch den roten Teppich ausgerollt: Der Politneuling wurde Pforzheimer SPD-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl - und holte die meisten Stimmen in der Stadt.

Hück ist populär.

Das hängt mit seiner Vita zusammen. Das ehemalige Waisen- und Heimkind hat sich vom Lackierer bei Porsche zum mächtigen Gegenspieler der Autobosse hochgearbeitet. Mit seiner Pforzheimer Lernstiftung hilft er seit Jahren benachteiligten Jugendlichen. Für Charity-Projekte unter dem Motto „Blaue Flecke für soziale Zwecke“ lässt sich der frühere Europameister im Thaiboxen auch mal „auf die Fresse hauen“.

Kritiker werfen ihm eine One-Man-Show vor. Aus Sicht der Pforzheimer SPD-Bundestagsabgeordneten Katja Mast, auf deren Job er Ambitionen hatte, geht es Uwe Hück immer nur um Uwe Hück. „Sein Tun ist ein bedingungsloser Schrei nach Aufmerksamkeit.“ Für eine gute Politik brauche es aber langen Atem und keine Gier nach Schlagzeilen. In den fast zwei Jahren Gemeinderat habe er kein Projekt durchgesetzt.

In der „Bürgerbewegung“ sind laut Satzung Berufspolitiker nicht erwünscht. „Wir müssen mehr Mut haben und im Zweifel auch damit leben können, abgewählt zu werden“, sagte Hück. Die Partei hofft bei der Bildung von Landesverbänden auf weitere Abtrünnige etablierter Parteien und will Schwung in die Politik bringen: „Wechsel gehört zur Demokratie.“ Es gehe um Veränderung und nicht um das „Weiter so“. Die neue Partei werde dem Volk eine Stimme geben und in der Politik keine Freunde gewinnen. „Aber das Volk wird uns lieben“, meinte Hück.

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