Dieser 41 Jahre alte Deutsche habe sich in mindestens zwei Fällen an dem heute neun Jahre alten Jungen aus dem südbadischen Sta
Dieser 41 Jahre alte Deutsche habe sich in mindestens zwei Fällen an dem heute neun Jahre alten Jungen aus dem südbadischen Staufen vergangen, sagte Staatsanwältin Novak zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Freiburg am Donnerstag. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Landes-Korrespondentin

Im Fall des missbrauchten Kindes aus Staufen ist am Donnerstag eine weitere mögliche Behördenpanne bekannt geworden. Die Lehrerin des Opfers wandte sich offensichtlich bereits im Juni 2017 an das Jugendamt. Ein Mitschüler des Jungen hatte berichtet, dass ihm der Junge von sexuellen Übergriffen in der Familie erzählt habe. Das teilte die Lehrerin dem Jugendamt mit. Der Junge wurde trotz der Hinweise der Lehrerin erst rund drei Monate später vom Jugendamt endgültig in Obhut genommen.

Der Vorgang geht aus Akten von Polizei und Staatsanwaltschaft hervor, die das Justizministerium jetzt ausgewertet hat. Am Donnerstag unterrichtete das Haus weitere Ministerien, die E-Mail liegt der „Schwäbischen Zeitung“ vor. Das Kind wurde nach heutigem Kenntnisstand von Mutter und Stiefvater an Männer vermietet. Einer der Freier steht seit Donnerstag in Freiburg vor Gericht. Der 41-Jährige hat bereits gestanden, dass er das Kind zweimal vergewaltigte. Er ist einer von insgesamt acht Personen, die sich in verschiedenen Verfahren verantworten müssen. Im Juni wird Mutter (47) und Stiefvater(39) der Prozess gemacht.

Paar vermiete Jungen

Zwischen 2015 und 2017 soll das Paar das Kind über das Internet an mehrere Männer vermittelt haben. Das Paar aus Staufen bei Freiburg hat sich nach heutigem Ermittlungsstand auch selbst an dem Kind vergangen. Der Junge wurde von Freiern mehrfach vergewaltigt. Diese zahlten für Sex mit dem Kind.

Justizbeamte bringen den wegen Kindesmissbrauchs Angeklagten zum Landgericht (Foto: dpa)

Der Stiefvater Christian L. ist ebenso wie weitere Angeklagte einschlägig vorbestraft. Beide Männer standen deshalb unter Führungsaufsicht. Sie durften sich Kindern nicht allein nähern. Eigentlich hätten Landgerichte, Polizei und Bewährungshilfe kontrollieren müssen, ob die Auflagen eingehalten wurden. Doch das geschah offenbar nicht oder nur unzureichend.

Gerichte in der Kritik

In der Kritik stehen auch Familiengerichte: Obwohl das Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald ihnen Hinweise auf die Vorstrafen von Christian L. lieferte, sahen sie keinen ausreichenden Grund dafür, den Jungen dauerhaft aus der Obhut seiner Mutter und dessen Lebensgefährten zu nehmen. Genau das hatte das Amt beantragt, die Richter jedoch gaben der Mutter im April 2017 Recht.

Opferanwältin Katja Ravat (Foto: dpa)

Erst im Zuge der Ermittlungen zu den nun bekannt gewordenen Vorfällen konnte das Kind im September 2017 endgültig aus der Familie geholt werden.

Prüfbericht sieht keine Rechtsverstöße

Ein erster Prüfbericht des Regierungspräsidiums Freiburg sah keinerlei Rechtsverstöße im Jugendamt, mahnt aber bessere Absprachen zwischen Polizei, Justiz und Jugendhilfe an. Die Aufarbeitung geht weiter, unter anderem will Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) das Thema in einer Sitzung zum Kindesschutz mit allen beteiligten Stellen besprechen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen