Betonsperren
Betonblockaden stehen auf einer Zufahrtsstraße zum Schlossplatz in Stuttgart. In Köln wird es an Karneval Fahrzeugsperren geben. (Foto: Marijan Murat / DPA)

Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) beklagt die Auflagenfülle bei Veranstaltungen. Zunehmend verschärfte Sicherheitskonzepte und umfassende Haftungsreglungen würden die Zünfte inzwischen fast ersticken, hieß es am Samstag auf der Hauptversammlung 2018 des Verbandes in Pfullendorf. Gebe es hier keine Änderung, sei die Fastnacht mittelfristig bedroht, sagte VSAN-Präsident Roland Wehrle.

Politische Vorstöße der Narren in Richtung baden-württembergischem Innenministerium sind offenbar bis jetzt versackt. Wehrle berichtete von Versuchen, an Amtschef Thomas Strobl (CDU) heranzutreten - bisher erfolglos. Der VSAN-Präsident beklagte, dass Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen inzwischen durchaus 200 Seiten umfassen könnten. „Und wir haben die Kosten zu tragen“, so Wehrle.

Sicherheitskosten bei 70.000 Euro

Als Beispiel kamen die Sicherheitskosten beim jüngsten närrischen Landschaftstreffen in Markdorf zur Sprache. Nach den vorliegenden Angaben beliefen sie sich auf 70 000 Euro. Woran sich aber auch die Stadt Markdorf beteiligt habe. Verunsichert zeigten sich die Narren zudem wegen möglicherweise weiteren Auflagen in der Zukunft. So hatten zuletzt wegen der Gefahr durch Terroranschläge mittels Fahrzeugen selbst Weihnachtsmärkte im ländlichen Raum mit zusätzlichen Betonpollern gesichert werden müssen.

„Wir brauchen eine gemeinsame Verantwortung von Vereinen und dem Staat“, verlangte Wehrle. Ansonsten sei das „Kulturgut Fastnacht“ in der jetzigen Form irgendwann nicht mehr organisierbar. Die üblichen Ehrenämtler könnten weder den Arbeitsaufwand noch das finanzielle Risiko stemmen. Der Narren-Chef erinnerte daran, dass es anderen Vereinen durchaus ähnlich gehe. „Finden wir bei der Politik kein Gehör, werden wir weitere Verbände mit ins Boot nehmen“, drohte Wehrle.

Neben der Auflagenfülle bei öffentlichen Veranstaltungen wurde die Hauptversammlung von der Neuorganisation des Verbandes bestimmt. In der Vergangenheit hatte sich eine Zersplitterung in mehrere Aufgabenbereiche entwickelt. Eine der Ursachen bestand im Betrieb des zuschussträchtigen Narrenmuseums in Bad Dürrheim. Hier lag die Zuständigkeit bisher beim Verein Narrenschopf. Schon vor 14 Jahren war beschlossen worden, das Konzept zu ändern.

Museumsprojekt kommt voran

Am Samstag stimmte die Hauptversammlung der Reform zu. Demnach übernimmt der Verband das operative Geschäft der Gesamtorganisation inklusive Museumsbetrieb und der Vermarktung von Fastnachtsartikeln. Der Narrenschopf wird zum reinen Förderverein. „So holen wir die Hauptverantwortung wieder in den Verband zurück“, sagte Wehrle.

Die Narren arbeiten indes an einem großen Wurf für ihr Museum. „Einem Pilotprojekt“, wie der VSAN-Präsident betonte. Die Schau soll digitalisiert werden. Zentral ist dabei ein Projekt der Virtuell Reality. Der Besucher soll sich dabei im Museum mittels 3-D-Technik wie in der wirklichen Fastnacht fühlen. Ziel des Verbandes ist es dabei, die Gästezahl von bisher 10 000 Menschen pro Jahr zu verdoppeln. Bei jährlich 20 000 Besuchern könne sich das Museum selber tragen, hofft Wehrle.

Für das Vorhaben erhält der Verband rund 1 050 000 Euro staatliche Fördermittel. Rund 300 000 Euro muss er selber aufbringen. Ein ähnliches Projekt läuft gleichzeitig im Narrenmuseum Langenstein bei Stockach.

Die VSAN wurde 1924 gegründet, hat seinen Sitz in Bad Dürrheim und gilt als eine der ältesten Narrenvereinigungen in Deutschland. Ihr gehören 68 Narrenzünfte an. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den Süden von Baden-Württemberg, den südlichen Bereich des bayerischen Bezirks Schwaben sowie über fünf Schweizer Kantone.

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