Nach Vergewaltigung in Freiburg: Polizeigewerkschaft kritisiert „anonyme Kriminalstatistik“

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Ralf Kusterer
Der DPolG-Landesvorsitzende Ralf Kusterer. (Foto: Marijan Murat/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Eine 25 Jahre alte Frau soll in Freiburg von einem jungen Mann im Park vergewaltigt worden sein. Nachdem sie sich per Notruf bei der Polizei meldete, wurde ein dringend tatverdächtiger, wegen Körperverletzungsdelikten polizeibekannter 23-Jähriger festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Wie die Polizei weiter mitteilte, äußerte sich der Mann bislang nicht zu den Vorwürfen.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurde die Frau vor der Tat am frühen Samstagmorgen zunächst von zwei unbekannten Männern angesprochen, von denen einer ihr in den Colombipark folgte und sie dort vergewaltigte. Die Frau aus Deutschland wehrte sich heftig und trug auch einige leichte Verletzungen davon. Der tatverdächtige Flüchtling aus Syrien floh laut Polizei, ließ aber seinen Rucksack am Tatort zurück, im dem sich persönliche Dokumente befanden.

Inwiefern spiegelt Statistik die Realität?

Aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft Baden-Württemberg (DPolG) zeigt die Tat, dass anonyme Kriminalstatistiken und „politische Schönwetterreden“ der Realität nicht gerecht werden. „Diese Tat, wie im Übrigen viele weiteren Taten in Freiburg, Deutschland und in Baden-Württemberg, rückt die Opfer in den Mittelpunkt. Das erwarte ich auch von der Politik, wenn wir von Polizeigesetzen oder dem Datenschutz reden“, sagte der DPolG-Landesvorsitzende Ralf Kusterer. „Wir müssen weg vom Täterschutz zum Opferschutz.“

Die Polizeiliche Kriminalstatistik gibt zwar keinen Aufschluss darüber, wie oft Flüchtlinge Gewaltverbrechen begehen - aber zumindest darüber, wie oft diese Menschen hierzulande tatverdächtig waren. Insgesamt hat die Polizei 2017 bei 8,5 Prozent aller Straftaten einen „Zuwanderer“ verdächtigt - das umfasst Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge, Kontingentflüchtlinge, Geduldete und illegal in Deutschland lebende Menschen. Bei Straftaten wie Mord, Totschlag, schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung entfallen auf diese Gruppe jeweils um die 15 Prozent aller Verdächtigen.

Viele tatverdächtige Flüchtlinge

Die Zahl ist also weit höher als ihr Anteil an der Bevölkerung - erklärt sich aber auch dadurch, dass Flüchtlinge überwiegend männlich und im Schnitt 15 Jahre jünger sind als die Durchschnittsbevölkerung - und junge Männer verüben weit mehr Gewalttaten als andere Gruppen.

Sind Flüchtlinge erst einmal als solche anerkannt, geht die Kriminalitätsrate unter ihnen deutlich zurück. Asyl- und Schutzberechtigte machen nur 0,5 Prozent aller Tatverdächtigen aus - und sind damit weitaus gesetzestreuer als Deutsche.

Hier werden die meisten Straftaten verübt (2017)

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