Claus Schmiedel, bisher SPD-Fraktionschef, hat den Wiedereinzug in den Landtag verpasst.
Claus Schmiedel, bisher SPD-Fraktionschef, hat den Wiedereinzug in den Landtag verpasst. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung
Landes-Korrespondentin

Mehr Frauen, fünf statt wie bisher vier Fraktionen und einige prominente Abgänge: Der neue Landtag, der sich am 11. Mai zum ersten Mal treffen wird, unterscheidet sich deutlich vom Vorgänger-Parlament. Das gilt auch für die Verteilung der 70 Wahlkreise.

Von Schwarz zu Grün

CDU-Kandidaten setzten sich bei den Wahlen 2011 im Land in 60 Wahlkreisen durch. Diesmal gelang das nur 22 Christdemokraten. Dagegen gewannen die Grünen 46 dieser Direktmandate. Die SPD verlor ihren bis dahin einzigen Wahlkreis in Mannheim an die AfD, deren Kandidat sich außerdem in Pforzheim direkt durchsetzte. Dort hatte zuvor der damalige CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus gewonnen, nach seinem Ausscheiden aus dem Landesparlament rückte Marianne Engeser nach. Diese schaffte es diesmal nicht mehr ins Parlament.

Prominente Wahlverlierer

Besonders bitter verlief der Wahlabend für führende Sozialdemokraten. So sitzt der Fraktionsvorsitzende Claus Schmiedel nicht mehr im Parlament, ebenso ergeht es Noch-Sozialministerin Katrin Altpeter und Europaminister Peter Friedrich. Der Grund: Weil die SPD nur 12,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinte, sank die Zahl der Zweitmandate dramatisch. Integrationsministerin Bilkay Öney war von den Genossen erst gar nicht in einem Wahlkreis nominiert worden. Als Regierungsmitglied benötigte sie bislang kein Mandat, um landespolitischen Einfluss zu haben. Selbst wenn die SPD wieder eine Koalition eingeht, dürfte fraglich sein, ob sie noch Mitglied der Regierung sein wird. Ein ähnliches Problem, aber eine bessere Ausgangslage hat Alexander Bonde (Grüne). Er wollte im Wahlkreis Freiburg I antreten, verlor das interne Duell aber gegen seinen Parteikollegen Reinhold Pix. Nun muss Bonde hoffen, im Falle einer grünen Regierungsbeteiligung weiterhin Minister zu bleiben. Die CDU muss im Landtag künftig auf Generalsekretärin Katrin Schütz verzichten, sie konnte sich in Karlsruhe nicht durchsetzen.

Stimmenkönige

Wie bereits 2011 holte die CDU die meisten Stimmen in Ehingen (36,3Prozent) und Biberach (35,9Prozent). Manuel Hagel löste in Ehingen damit seinen CDU-Vorgänger Karl Traub als Abgeordneten mit der landesweit größten Mehrheit ab. Allerdings verlor er im Vergleich zu Traubs Ergebnis 14,7 Prozentpunkte. Für die Grünen holte Muhterem Aras im Wahlkreis Stuttgart I mit 42,4 Prozent wie vor fünf Jahren das beste Ergebnis aller Direktkandidaten. Der FDPler Timm Kern überzeugt in Freudenstadt 13,5 Prozent der Wähler, mehr als jeder andere Kandidat seiner Partei. Das stärkste Ergebnis für die AfD erzielte Bernd Grimmer in Pforzheim (24,2 Prozent). Stefan Fulst-Blei verlor zwar den einzigen verbliebenen SPD-Wahlkreis in Mannheim an die AfD, holte aber mit 22,2 Prozent der Stimmen immer noch das beste Ergebnis für die Sozialdemokraten und bleibt damit Landtagsabgeordneter.

Hochburgen

Die Grünen konnten wie bei den vergangenen Wahlen vor allem in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte viele Wähler an sich binden. So fielen in Stuttgart alle Wahlkreise an die Partei. Auch die SPD erzielte in Städten ein überdurchschnittliches Ergebnis. Die CDU präsentierte sich wie gehabt stark im ländlichen Raum. In den Städten mit mehr als 100000 Einwohnern überzeugte sie dagegen nur jeden fünften Wähler. Auch die AfD konnte vor allem abseits der Ballungsräume Stimmen gewinnen. Die FDP erzielte in Stadt und Land ähnliche Ergebnisse.

Frauenanteil

Ein plakativer und deshalb gern gezogener Vergleich geht so: Im Landtag in Stuttgart sitzen weniger Frauen als im Parlament von Afghanistan. Bislang war nur jeder fünfte Platz mit einer Abgeordneten besetzt. Das ändert sich nun. Der Frauenanteil steigt auf knapp 25 Prozent – in Afghanistans Parlament liegt er bei 27 Prozent. Allerdings gibt es dort, anders als im baden-württembergischen Landtag, eine fest vorgeschriebene Frauenquote von einem Viertel.

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