Dünger- und Pestizidspritze fährt über ein Feld
Ein Landwirt fährt mit einer Dünger- und Pestizidspritze über ein Feld. (Foto: Patrick Pleul/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Das Land muss aus Sicht des Naturschutzbundes Nabu Baden-Württembergs Landwirte dazu verpflichten, die Mengen an ausgebrachten Pflanzengiften zumindest anonymisiert offenzulegen. „Wir Bürger haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie viel Gift auf unsere Äcker kommt“, sagte Nabu-Landeschef Johannes Enssle der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Wenn die Landesregierung wie angekündigt im Rahmen ihres Sonderprogramms für Artenvielfalt Pestizide reduzieren wolle, sollte sie wissen, wie viel davon in Baden-Württemberg ausgebracht werde. Agrarminister Peter Hauk (CDU) hatte die Offenlegung der Daten zuletzt vehement abgelehnt.

Der Nabu forderte erneut die Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025 und begründete das mit einem massiven Insektensterben. Mit den Insekten stürben auch die Vögel, so Enssle: „Die Bruterfolge der Vögel hängen unmittelbar vom Angebot an Insektennahrung für den Nachwuchs ab. Bleibt das aus, hungern vor allem Insektenfresser wie Schwalben, Segler und Fliegenschnäpper, aber auch alle Jungvögel.“ Enssle forderte eine Agrarwende und ein Insekten-Monitoring. „Insektizide vergiften die Insektenwelt und machen selbst vor Naturschutzgebieten nicht Halt. Herbizide rauben Wildbienen und Schmetterlingen die Nahrungsgrundlage.“

Minister Hauk hatte bei der Vorlage des ersten Nabu-Pestizidberichts für Baden-Württemberg Anfang des Jahres die Offenlegung der Daten durch die Landwirte abgelehnt. Pflanzenschutzmittel würden „nicht aus Jux und Tollerei“ eingesetzt, sondern um sensible Kulturpflanzen zu schützen und Erträge zu sichern. Wichtig sei, wie viel davon tatsächlich am Ende in den Nahrungsmitteln lande - und das werde Jahr für Jahr penibel kontrolliert. Er bezweifelte den Zusammenhang zwischen Pestizideinsatz und dem Insektensterben der vergangenen Jahre.

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