Mit hauchdünnem Vorsprung: Norbert Lins soll Elisabeth Jeggle folgen

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Norbert Lins folgt auf Elisabeth Jeggle als EU-Abgeordneter. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung
Klaus Wieschemeyer
Redakteur

Norbert Lins wird neuer Europaabgeordneter der CDU Württemberg-Hohenzollern in Brüssel. Der 35-jährige Horgenzeller setzte sich am Samstagmittag in Ertingen (Kreis Biberach) um 12.56 Uhr im zweiten Wahlgang mit nur einer Stimme Mehrheit gegen seinen Mitkandidaten Klaus Tappeser durch.

Lins kam auf 87 (50,29 Prozent) Tappeser auf 86 Stimmen (49,71 Prozent) der Delegiertenstimmen. Der dritte Kandidat Gerhard Glaser aus Schemmerhofen hatte nach dem ersten Wahlgang, in dem er nur 34 Stimmen (19,7 Prozent) erhielt, zurückgezogen.

Lins übernimmt den als sicher geltenden Listenplatz 4 von Elisabeth Jeggle aus Untermarchtal. „Ich bin überwältigt“, sagte der Ministerialbeamte nach der Wahl. Nach dem ersten Wahlgang, in dem Lins klar hinter Tappeser gelegen hatte, habe er nicht mehr damit gerechnet, sagte der verheiratete Vater einer elf Monate alten Tochter. Tappeser reagierte enttäuscht. „Das ist bitter. Aber verloren ist verloren“, sagte der Politikberater.

Elisabeth Jeggle, die seit 1999 im EU-Parlament sitzt, tritt bei der Wahl im Mai 2014 nicht mehr an. Das EU-Parlament mit Plenarsälen in Brüssel und Straßburg zählt insgesamt 724 Abgeordnete, 99 davon kommen aus Deutschland.

Norbert Lins – der EU-Nachwuchs

Norbert Lins ist der jüngste der Kandidaten: „Der Schengenraum ist für meine Generation Alltag. Die Hälfte meines wahrnehmbaren Lebens habe ich mit dem Euro bezahlt.“ In dieser Gewöhnung sieht Lins zugleich Chance und Risiko: Die junge Generation laufe Gefahr, nur das Schlechte an Europa zu sehen, weil sie die Zeit davor und die Verbesserungen durch Europa nicht wahrnehme. Europa müsse darum neu gedacht werden und eine zentrale Figur hervorbringen. „Wir brauchen Identifikationsfiguren und Menschen, die im besten Fall über nationale Grenzen hinaus die europäische Idee vertreten“, sagt Lins. Der 35-Jährige aus Horgenzell (Kreis Ravensburg) kann die meiste Europaerfahrung vorweisen: Lins hat einen Master in Europamanagement von der Hochschule Kehl und war fünf Jahre lang Büroleiter beim Europäischen Parlament. Derzeit ist er Referent im Ministerium für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz – damit ist er nah dran an den Anforderungen, die ihn in Straßburg und Brüssel erwarten würden. Seine Ambitionen auf einen Sitz im Europaparlament hat Lins schon früh angemeldet. 2004 verfehlte er als Neunter der CDU-Landesliste knapp ein Mandat. 2009 trat er als Ersatzbewerber für Elisabeth Jeggle an. „Die Delegierten haben die Auswahl von verschiedenen Persönlichkeiten mit verschiedenen Lebensläufen“, sagt Lins. „Ich habe das schon fünf Jahre in ähnlicher Weise gemacht. Ich habe eine Vorstellung, welche Herausforderung auf mich zukommt. Das Wichtigste ist, dass einem das europäische Projekt wichtig ist.“ Schade sei nur, dass er seine zehn Monate alte Tochter dann nicht mehr so oft sehen würde, sollte er gewählt werden. Der Vorstand des CDU-Stadtverbands Ravensburg und der Ravensburger CDU-Kreisverband unterstützen Lins’ Kandidatur.

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