Mehr Wasser im Rhein erwartet: Sinken jetzt die Benzinpreise wieder?

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 Der Schatten einer Zapfpistole: Im Südwesten ist das Benzin bundesweit am teuersten. Das Niedrigwasser ist nur ein Grund.
Der Schatten einer Zapfpistole: Im Südwesten ist das Benzin bundesweit am teuersten. Das Niedrigwasser ist nur ein Grund. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Schwäbische Zeitung

Die monatelange Niedrigwassersituation auf dem Rhein könnte sich Anfang der Woche etwas entspannen. Nach Regen erwartet die Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg ab Sonntag spürbar mehr Wasser im Fluss.

Am Montag könnten am Pegel Maxau (Karlsruhe) 3,5 Meter überschritten werden. Die Abschätzung für die Folgetage bis zum 6. Dezember lag am Freitag zwischen knapp 3,5 Meter und mehr als 4,0 Meter. Die Entwicklung danach hängt davon ab, ob es weitere Regenfälle im Einzugsgebiet des Rheins gibt.

Niedrigster Stand seit 1972

Am 26. November war der Wasserstand auf 3,11 Meter und damit den niedrigsten Stand seit 1972 gefallen. Bereits seit dem Sommer herrscht starkes Niedrigwasser auf dem Rhein. Am Freitagmittag wurden in Maxau 3,16 Meter gemessen.

Der Normalwasserstand liegt bei 5,16 Metern. Schiffe können den Rhein aktuell nur mit geringer Ladung befahren, was die Transportkosten deutlich erhöht und bei zahlreichen Unternehmen zu Engpässen führt.

Auch ein mäßiger Anstieg des Wasserstands hilft der Schifffahrt, denn je 10 Zentimeter mehr Tiefe der Fahrrinne kann ein 110 Meter langes Rheinschiff rund 100 Tonnen mehr Ladung transportieren.

Wegen des Niedrigwassers in Flüssen mussten Autofahrer in den vergangenen Wochen nach Berechnungen von Ökonomen einen saftigen Aufschlag für Benzin zahlen. Die Preissteigerung liege im Schnitt bei bis zu 20 Cent, erklärte das Wirtschaftsforschungsinstituts RWI jüngst in Essen.

Schiffe nur zu einem Drittel beladen

Während die Differenz zwischen dem Rohölpreis der Sorte Brent und dem Benzinpreis in der Vergangenheit bei etwa 85 Cent je Liter gelegen habe, sei dieser Wert seit Mai gestiegen und habe jüngst den Stand von fast 1,05 Euro erreicht, berichtete RWI-Forscher Manuel Frondel. Ein Grund dafür seien die nahezu stetig gefallenen Pegelstände der Flüsse, vor allem des Rheins.

Wegen des Niedrigwassers konnten Schiffe, die normalerweise 2000 Tonnen Benzin oder andere Rohstoffe transportieren bisweilen nur zu einem Drittel beladen werden - erklärte dazu im November auch  Ingo Seeligmüller, der Sprecher des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte. 

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hatt dennoch auch Zweifel an solchen Darstellungen geäußert: „Die Preisentwicklung ist aus unserer Sicht deutlich überhöht“, sagte ADAC-Sprecher Johannes Boos ebenfalls im November der „Schwäbischen Zeitung“. Die schwierige Logistik dürfte sich nicht so stark auf die Preise auswirken, wie es von den Mineralölkonzernen vorgegeben werde. 

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