Mehr Pflegekinder im Land: Neue Standards gefordert

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Angelika Gattmann und ihr Pflegesohn Waldemar posieren in Konstanz zusammen für den Fotografen. Gattmann betreut mehrere Pflegek (Foto: Patrick Seeger / dpa)
Schwäbische Zeitung

(dpa) — Die Zahl der Pflegekinder im Südwesten ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2011 waren 8541 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien in Baden-Württemberg untergebracht, wie das Sozialministerium in Stuttgart auf Grundlage aktueller Daten mitteilte. Fünf Jahre zuvor seien dagegen 7494 Kinder und Jugendliche in Vollzeitpflege gewesen.

„Das entspricht einem Anstieg von 14 Prozent“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Bundesweit sei die Zahl zwischen 2005 und 2010 sogar um 24 Prozent angestiegen, heißt es beim Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS).

Der Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien (Pfad) fordert unterdessen mehr verpflichtende Standards bei der Betreuung von Pflegefamilien. Momentan könne jedes Jugendamt — in einem gewissen gesetzlichen Rahmen — die Begleitung und Unterstützung von Pflegefamilien individuell gestalten, sagte die Vorsitzende von Pfad in Baden-Württemberg, Jasmin Heier, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Zwar könne das Landesjugendamt Empfehlungen ausgeben. „Aber es ist Sache der Jugendämter, wie sie das umsetzen.“

Einige grundsätzliche Regelungen wie die Höhe des Pflegegeldes auf mehrere Hundert Euro seien bundesweit festgelegt. Aber beim Erziehungsbeitrag — dem Geld, das die Pflegeeltern für die Aufnahme und Erziehung der Kinder erhalten — hätten die Jugendämter relativ viel Spielraum. „Eigentlich wird im Monat 250 Euro für beide Elternteile zusammen gezahlt“, sagte Heier, deren Verband rund 350 Mitglieder im Südwesten vertritt. „Es gibt aber Empfehlungen — wenn man etwa besonders verhaltensauffällige oder intensiv zu betreuende Pflegekinder hat — dass dann beispielsweise ein doppelter Erziehungsbeitrag bezahlt werden kann.“

Die Zahl der Pflegefamilien liegt nach einer Schätzung des KVJS zwischen 5000 und 6000. Genaue Angaben darüber, wie lange die Pflegekinder in den Familien bleiben, lägen für Baden-Württemberg allerdings nicht vor, sagte die Sprecherin des Ministeriums. Der aktuelle 14. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung gebe als durchschnittliche Verweildauer in Deutschland 41 Monate an.

Wer ein Pflegekind in seiner Familie aufnehmen will, kann sich dafür beim örtlichen Jugendamt bewerben. Die Behörden führen eine Eignungsprüfung durch, bei der verschiedene objektive und subjektive Faktoren betrachtet werden, wie es beim Sozialministerium heißt. Gefragt wird beispielsweise nach dem Alter der Pflegeperson, der räumlichen Situation der Familie oder der Zahl der eigenen Kinder. Aber auch Bereiche wie das Erziehungsverhalten, die Empathiefähigkeit oder Kooperationsbereitschaft werden geprüft.

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