Mehr Flächen im Südwesten kommen für Windenergie infrage

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Windräder
Zahlreiche Windräder stehen auf einem Feld nebeneinander. (Foto: Monika Skolimowska/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
lsw

In Baden-Württemberg kommen theoretisch mehr Flächen für den Bau von Windkraftanlagen infrage als bislang angenommen. Dafür geeignet seien etwa 6,2 Prozent der Landesfläche - das sei etwa doppelt so viel wie bislang berechnet worden war, sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart.

Die alten Angaben kommen aus dem Jahr 2011. Laut Untersteller hat sich die Technologie für die Windkraft seitdem weiterentwickelt. Zudem gebe es heute bessere Methoden, um die Windverhältnisse an einem Standort zu ermitteln. Baden-Württemberg legt außerdem einen neuen Orientierungswert für die Bewertung von Standorten an.

Auch im Südosten des Landes, im Rheingraben und auch in Oberschwaben gebe es durchaus gute Standorte für Windkraftanlagen, sagte Untersteller. „Wenig überraschend ist dagegen, dass nach wie vor in den Höhenlagen des Nord- und Südschwarzwaldes sowie auf der Schwäbischen Alb die besten Windverhältnisse herrschen.“

Der Windatlas gibt den Planungs- und Genehmigungsbehörden Auskunft darüber, wo sich Windkraftanlagen grundsätzlich rechnen. Nicht berücksichtigt sind darin mögliche artenschutzrechtliche Belange oder andere Gegebenheiten, die dem Bau von Anlagen entgegenstehen könnten. Wie viele neue Anlagen tatsächlich gebaut werden könnten, vermochte Untersteller nicht abzuschätzen. „Das Orakel sitzt in Delphi, nicht in Stuttgart, und es zieht auch nicht um.“ Entscheidend sei, wie sich die politischen Rahmenbedingungen entwickelten.

Ende 2018 lieferten 720 Windkraftanlagen in Baden-Württemberg erneuerbaren Strom - das sind doppelt so viele wie Ende 2011. Die Windkraft hat bislang einen Anteil von 3,7 Prozent an der hiesigen Bruttostromerzeugung. Allerdings stockte der Ausbau 2018. Nach 123 Anlagen im Jahr 2017 wurden nur 35 Windräder neu gebaut. Für 27 neue Anlagen wurden im vergangenen Jahr Genehmigungen erteilt.

Oft gibt es Bürgerproteste gegen neue Anlagen. Vor allem aber sind die Windverhältnisse in Baden-Württemberg im Vergleich zum Norden Deutschlands schlechter und die Kosten für den Bau von Anlagen wegen der geografischen Verhältnisse oft höher. Seit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Bund im Jahr 2017 werden die Anlagen zentral ausgeschrieben. Den Zuschlag bekommt, wer das günstigste Angebot macht, also am wenigsten Förderung verlangt.

Deshalb hat der Südwesten oft das Nachsehen. Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Frank Mastiaux, forderte im Januar eine feste Quote für den Ausbau der Windenergie im Süden. Untersteller wies darauf hin, dass die schwarz-rote Bundesregierung das Problem offenkundig erkannt habe und eine regionale Komponente einführen wolle. „Ob das dann eine Quote ist oder eine Bonuszahlung oder etwas anderes: Da bin ich nicht festgelegt“, sagte Untersteller. Der Bund müssen in diesem Jahr eine EEG-Novelle vorlegen, forderte er.

Der Energieexperte der FDP im Landtag, Andreas Glück, warf der grün-schwarzen Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor, sich ideologisch auf den Windenergie-Ausbau eingeschossen zu haben. Glück wünscht sich nach eigenen Worten mehr Engagement von Untersteller für Projekte zur Energieeffizienz und beim Bau von Solarparks zur Nutzung von Sonnenenergie. AfD-Fraktionschef Bernd Gögel nannte den Windatlas eine „wahre Horrorvision“: „Diese überdimensionalen Windmühlen sind nicht nur für Waldzerstörung und Landschaftsverschandelung verantwortlich - sondern auch für Megatonnen geschredderte Insekten und Vögel.“ Die AfD werde weiter gegen den „grün-schwarzen Windkraftwahn“ eintreten.

Mitteilung zum Windatlas

Angaben zu Erneuerbaren Energien im Südwesten

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