Mehr als tausend Menschen gehen gegen Rassismus auf die Straße

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Stuttgart gegen Rechts
Stuttgart wehrt sich: Auf dem Karlsplatz demonstrieren 1.000 Menschen für mehr Vielfalt und gegen Rechtsextremismus.
Deutsche Presse-Agentur

Mehr als tausend Menschen haben am Freitag auf dem Stuttgarter Karlsplatz gegen Rassismus und für Vielfalt demonstriert. „Ich mache mir Sorgen darüber, dass wir wieder gegen Rassisten aufstehen müssen — wir müssen alles dafür tun, dass der rassistische Spuk ein Ende findet“, forderte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) mit Blick auf die Ereignisse in Chemnitz. Stuttgart sei gerade durch die Internationalität der Bewohner eine starke Stadt.

Parallel zu der Veranstaltung fand auf dem Marktplatz eine Kundgebung der konservativen Organisation „Demo für alle“ statt, bei der mehrere Dutzend Teilnehmer gegen eine Frühsexualisierung von Kindern im Schulunterricht und für den Erhalt der klassischen Familie aus Mutter, Vater und Kindern protestierten. Ihre Kundgebung wurde von lauten Protesten mehrerer hundert meist linksgerichteter Demonstranten sowie einem großen Polizeiaufgebot begleitet.

Gemeinsam gegen rechts: Ein breit aufgestelltes Bündnis aus Politik, Verbänden und Kunst demonstriert in Stuttgart gegen rechte
Gemeinsam gegen rechts: Ein breit aufgestelltes Bündnis aus Politik, Verbänden und Kunst demonstriert in Stuttgart gegen rechte Hetze. Zur Teilnahme hatten mehr als 30 Initiativen und Organisationen aufgerufen. Das Motto Gemeinsam Vielfalt leben. (Foto: Imago)

Die Kundgebung „Gemeinsam Vielfalt leben“ auf dem Karlsplatz war ursprünglich als kleine Veranstaltung mit 100 Teilnehmern angemeldet worden, sagte Organisator Holger Edmaier vom Projekt „100% Mensch“. Aber dann sei es zu den Ausschreitungen und Aufmärschen Rechtsradikaler in Chemnitz gekommen. „Danach wollten immer mehr Organisationen bei uns mitmachen, Parteien, Initiativen, Musiker, Künstler — es war der Wahnsinn“, sagt Edmaier. Tausende hätten sich auf Facebook zu der Veranstaltung angemeldet. „Der Druck innerhalb der Gesellschaft hat hier ein Ventil gefunden“, vermutet der Veranstalter. „Gerade nach Chemnitz haben die Menschen das Bedürfnis, zu zeigen: Das sind nicht wir, was hier in diesem Land passiert.“

OB Kuhn pflichtete dem in seiner Ansprache bei: „Es ist notwendig, dass Stuttgart ein klares Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung setzt“, sagte er. In Stuttgart lebten Menschen aus 170 Ländern, 42 Prozent hätten einen Migrationshintergrund, die Internationalität sei die große Stärke der Stadt.

Es ist notwendig, dass Stuttgart ein klares Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung setzt“

Fritz Kuhn, Oberbürgermeister von Stuttgart

 

Kuhn wandte sich auch gegen die AfD. „In Chemnitz hat sich klar gezeigt: Die AfD macht mit Neonazis gemeinsame Sache.“ Auch die Debatte um die Absetzung von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen kommentierte der OB. „In früheren Zeiten wäre er innerhalb von 15 Minuten entlassen worden — ohne Angabe von Gründen.“ Kuhn räumte ein, dass Integration nicht immer einfach sei. „Aber wir selber haben in der Hand, ob sie gelingt.“ Dazu müsse man miteinander sprechen, planen und Lösungen erarbeiten. Weitere Redner und Musikgruppen folgten — von Parteien und Gewerkschaften, aber auch von kulturellen Institutionen wie dem Stuttgarter Orchester der Kulturen.

Mehr als tausend Teilnehmer gingen auf die Straße.
Mehr als tausend Teilnehmer gingen auf die Straße. (Foto: Imago)

Anders sah das auf dem Marktplatz aus — hier pfiffen ein paar hundert Demonstranten die Kundgebung der Organisation „Demo für alle“ aus. „Ich freue mich, dass wir hier sind in Stuttgart, dem Geburtsort der „Demo für alle“ — aber dass man uns abschotten muss, damit man uns nicht angreift, ist erschütternd“, sagte Hedwig von Beverfoerde, die Gründerin des konservativen Vereins, angesichts umfangreicher Absperrgitter und dem großen Polizeiaufgebot.

Die Polizei begründete das Großaufgebot mit Erfahrungen aus früheren Jahren, als die „Demo für alle“ noch sehr viel mehr Teilnehmer hatte. Da habe es immer wieder Verletzte und Festnahmen vornehmlich im linken Kader gegeben. Deshalb sei man so präsent. Stärke demonstrierte die Polizei unter anderem mit mehr als 30 Einsatzwagen, die auf dem Schillerplatz geparkt waren.

Zur Teilnahme hatten mehr als 30 Initiativen und Organisationen aufgerufen.
Zur Teilnahme hatten mehr als 30 Initiativen und Organisationen aufgerufen. (Foto: Imago)

Die Stuttgarter AfD blieb nach eigenen Angaben allen Demos fern. Die Kundgebung von „Demo für alle“ sei keine politische Veranstaltung und deshalb sei die Teilnahme des Kreisverbandes auch nicht angebracht, sagte dessen Vorsitzender Michael Milsch. „Es werden wahrscheinlich ein paar Mitglieder von uns hingehen, weil es Überschneidungen bei unseren Positionen gibt, aber nicht der Kreisverband.“ Und zur Demonstration gegen Rechts sei man nicht angefragt worden. „Wir sehen aber auch keine Notwendigkeit zur Teilnahme — wir stehen generell gegen jede Form von Extremismus und politischer Gewalt.“

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