Marode Leitungen kosten Trinkwasser

Die Trinkwasserversorgung im Süden ist trotz anhaltender Trockenheit nicht in Gefahr.
Die Trinkwasserversorgung im Süden ist trotz anhaltender Trockenheit nicht in Gefahr. (Foto: Oliver Berg/dpa)
Landes-Korrespondentin

Anhaltende Hitze, zu wenig Regen: Die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) spricht bei vier von fünf Gewässern im Land von Niedrigwasser – das betreffe kleine Bäche genauso wie Neckar, Rhein und Donau. Von Januar bis Juli seien nur 70 Prozent der üblichen Niederschläge gefallen. Flüsse trocknen aus, der Grundwasserpegel sinkt. In vielen Landkreisen darf kein Wasser mehr aus Flüssen und Seen entnommen werden. Die gute Nachricht bei alledem: Die Trinkwasserversorgung ist nicht gefährdet. Mancherorts müssen sich die Bürger aber auch beim Leitungswasser einschränken.

Der für das Wochenende vorhergesagte Regen wird wohl kaum helfen. Laut LUBW könne er die Lage „allenfalls kurzfristig, vorübergehend und lokal abmildern“. Der Bodensee, das wichtigste Trinkwasserreservoir im Land, hat aktuell einen Pegel wie in normalen Jahren erst Mitte Oktober. Der Wasserstand liegt 90 Zentimeter unter dem üblichen Niveau zu dieser Jahreszeit.

Besorgen müsse das niemanden, sagt Sarah Kreidler von der Bodensee-Wasserversorgung (BWV), die vier Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. „Der Bodensee liefert quasi Wasser im Überfluss“, der niedrige Pegel habe keine Auswirkungen auf die Wasserlieferung. Vor allem aus dem Alpenrhein fließe täglich etwa hundert Mal mehr Wasser in den See, als der Zweckverband in 60 Metern Tiefe vor Sipplingen entnimmt. „Auf den Pegel des Bodensees hat die Entnahme von Trinkwasser keinen messbaren Einfluss. Denn die Sonne trinkt weitaus mehr“, sagt Kreidler – grob doppelt so viel. Klimamodelle prognostizierten zwar, dass sich Niederschläge zeitlich verschieben werden. Aber: „Nach den heutigen Erkenntnissen werden wir auch in Zukunft genügend Wasser im Bodensee haben“, so Kreidler. Das betont auch ein Sprecher von Umweltministerin Thekla Walker (Grüne). „Die Trinkwasserversorgung ist im Land nach wie vor sicher“, sagt er.

Die Versorgung ist allerdings punktuell eingeschränkt. Manche Kommunen kämpfen mit niedrigen Grundwasserpegeln und ausgetrockneten Quellen – wie etwa im südlichen Alb-Donau-Kreis. Die Bürger dort sind dazu angehalten, mit Leitungswasser sparsam umzugehen. Pools sollten nicht befüllt, der Garten nicht bewässert werden. In Hilzingen im Kreis Konstanz bringen Lkw, die für den Transport von Milch bestimmt sind, Trinkwasser in den Ortsteil Schlatt, weil die Quellen vor Ort zu wenig Wasser führen.

„Die Faktenlage zeigt, dass der Klimawandel am Laufen ist und sich zum Teil schon deutlich ausprägt“, sagt Bernhard Röhrle von der Landeswasserversorgung (LW), die drei Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. „Es wird weniger Grundwasser gebildet, weil die Temperatur so hoch ist, dass ein großer Teil der Niederschläge gleich verdunstet statt zu versickern.“ Die Grundwasserstände liegen laut Röhrle aktuell ein Meter unter dem langjährigen Mittel – aber auch noch ein Meter über dem bislang gemessenen Minimum. „Das ist noch nicht dramatisch, die Wasserversorgung ist sicher“, sagt er.

Denn in der Regel steht die Wasserversorgung auf zwei Standbeinen. Kommunen nutzen eigene Quellen und sind zudem an die Wasserversorgung von Nachbargemeinden, der LW oder der BWV angeschlossen. Wer ein solches zweites Standbein erst noch aufbauen muss, bekommt dafür Fördergeld vom Land.

Damit die Wasserversorgung sicher bleibt, brauche es Investitionen, sagt Röhrle und nimmt hier die Kommunen in die Pflicht. Viele kümmerten sich zu wenig um ihr Leitungsnetz. Die Folge: kostbares Trinkwasser versickert. Verluste seien zwar nie ganz auszuschließen. „Eine Quote von acht Prozent geht. Manche Gemeinden haben aber Wasserverluste von 20, 30 Prozent“, kritisiert er.

Sollte zwischen Oktober und Ostern künftig immer weniger Grundwasser gebildet werden, werde es schwierig – gerade für Gemeinden mit weniger tiefen Quellen. Noch könne sein Zweckverband Kommunen in Not mit mehr Wasser versorgen als ihnen vertraglich zustehe. Sollte Wasser knapp werden, würde der Verband seine Liefermengen für alle prozentual reduzieren. Damit das nicht passiert, schaue sich die LW aktuell nach neuen Quellen um – etwa in Heidenheim und in Blaubeuren. Dank Investitionen in eine Filteranlagen soll auch mehr Wasser aus der Donau kommen.

Angespannter ist die Lage der Flüsse und Seen – mit Auswirkungen etwa auf die Landwirtschaft. „Aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit und der Hitzewelle führen die Gewässer im Land häufig nur noch wenig Wasser und sind sogar komplett trocken gefallen“, erklärt Alexis von Komorowski, Hauptgeschäftsführer des Landkreistags. Niedrigwasser und sinkende Grundwasserstände als Folge des Klimawandels würden immer mehr zum Problem. Viele Landratsämter hätten daher die Wasserentnahme eingeschränkt.

Eine Übersicht haben weder der Landkreistag noch das Umweltministerium. Unter anderem haben die Landratsämter in den Kreisen Ravensburg, Biberach, Tuttlingen, Ostalb und Bodensee die Wasserentnahme massiv eingeschränkt oder verboten. Der Alb-Donau-Kreis beschränkt sich in einem Schreiben vom Donnerstag noch auf einen Appell, kein Wasser zu entnehmen. Sollte sich die Situation weiter zuspitzen, trotz angekündigten Regens, könnte aus dem Appell bald ein Verbot werden, so das Landratsamt.

Das kann gerade Landwirten vor große Probleme stellen, wie Ariane Amstutz vom Landesbauernverband erklärt. So ist die Wasserentnahme aus dem Bodensee zwar nicht verboten im größten Anbaugebiet für Obst im Land. Wohl aber aus anderen Seen und Flüssen. Dabei bauten viele Landwirte ihre Sonderkulturen gerade in den Tälern von Flüssen wie der Argen an, um Flusswasser zu nutzen. „Es wird manche Landwirte vor Probleme stellen, dass sie kein Wasser entnehmen können“, sagt sie.

Gemüsebauern nutzten indes vorwiegend Wasser aus eigenen Brunnen, oder aus dem Leitungsnetz wie die Krautbauern auf den Fildern bei Stuttgart. Für sie schnellten nun die Kosten in die Höhe. „Und uns brennt regelrecht das Grünland weg“, sagt Amstutz. Die Bauern fragten sich bereits, wie sie ihre Tiere füttern sollen.

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