„Manchmal ist man verzweifelt“: Strobl erneut CDU-Landeschef

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Thomas Strobl
Thomas Strobl, Landesvorsitzender der CDU, steht beim Landesparteitag auf dem Podium und winkt. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Nico Pointner

Kurz vor der Europa- und Kommunalwahl hat die Südwest-CDU ihren intern umstrittenen Vorsitzenden Thomas Strobl mit einem mäßigen Ergebnis im Amt bestätigt. Beim Parteitag in Weingarten im Kreis Ravensburg erhielt er am Freitagabend 83,3 Prozent. Damit schnitt Strobl etwas besser ab als bei seiner letzten Wiederwahl 2017 (82 Prozent), aber deutlich schlechter als 2015 (97,86 Prozent) und 2013 (87,3 Prozent). Gegenkandidaten gab es keine. Es wurden 299 abgegebene Stimmen und 7 Enthaltungen gezählt. Die CDU wertet - im Gegensatz zu anderen Parteien - Enthaltungen wie ungültige Stimmen. Dadurch fällt die Zustimmung in Prozent höher aus als unter Einbeziehung der Enthaltungen.

Strobl nannte die Ergebnisse der Präsidiumswahl „klar stabilisierend“ gemessen an dem, was in den letzten Wochen und Monaten alles geschrieben und versendet worden sei. „Ob ich zufrieden bin, ist gar nicht so sehr die Frage. Ich kann meine Arbeit weitermachen, das mache ich gerne.“ Jetzt gebe man Vollgas für die Wahl in drei Wochen.

Zuvor hatte Strobl die 310 Delegierten zu Geschlossenheit aufgerufen. Er ging gegen seine Kritiker in die Offensive und zeigte sich betroffen von den andauernden Personaldebatten in seinem Landesverband. Er stehe zwar dafür, dass die CDU eine Partei ist, die diskutiere. Aber: „Die Diskussionen der letzten Wochen sind nicht spurlos an der CDU vorübergegangen, sie sind auch nicht spurlos an mir vorübergegangen„, sagte Strobl. „Man überlegt, wägt ab, man zweifelt - manchmal ist man verzweifelt.“ Aber so eine Diskussion schärfe auch die eigenen Sinne. Strobl sagte, er wolle kämpfen - nicht für sich, sondern für die CDU und Tausende Kandidaten, die sich für ein Mandat bei der Kommunalwahl bemühen.

Die CDU Baden-Württemberg wählte in Weingarten turnusgemäß einen neuen Landesvorstand. Er amtiert für zwei Jahre. Die Spitzenpositionen bleiben nahezu unverändert. Als stellvertretende Landesvorsitzende wurden Thorsten Frey (85,1 Prozent), Daniel Caspary (81,5 Prozent) und Annette Widmann-Mauz (65,9 Prozent) wiedergewählt. Generalsekretär Manuel Hagel (CDU) wurde mit 78,4 Prozent im Amt bestätigt. Lediglich im Amt des Schatzmeisters gab es einen Wechsel: Claus Paal trat nicht mehr an, als Nachfolger wurde Ulrich Zeitel mit 92,3 Prozent der Stimmen gewählt.

Strobl führt den CDU-Landesverband seit 2011. Er gilt als umstrittener denn je in den eigenen Reihen. Seit Monaten wird hinter vorgehaltener Hand angezweifelt, dass er das Zeug hat, die Partei bei der Landtagswahl 2021 wieder zu alter Stärke zu führen und gegen den beliebten Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) ins Feld zu ziehen, falls der nochmal antritt. Viele räumen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) größere Chancen ein. Sie wurde mit 83,4 als Beisitzerin im Präsidium bestätigt. In ihrer Bewerbungsrede ging sie nicht auf Strobl oder interne Querelen ein, sondern warb für ihre Bildungspolitik. Es sei spürbar, dass die CDU wieder Verantwortung trage für Schule und Kitas. Leistung stehe im Mittelpunkt.

Mit derzeit rund 65 000 Mitgliedern ist der baden-württembergische CDU-Verband der zweitgrößte nach dem Verband in Nordrhein-Westfalen. Baden-Württemberg war politisch knapp sechs Jahrzehnte lang fest im Griff der CDU. 2011 verlor die Partei nach 58 Jahren die Macht an Grün-Rot. Die Partei stürzte im März 2016 bei der Landtagswahl auf 27 Prozent ab - und regiert seitdem als Juniorpartner an der Seite der Grünen. Strobl ist der erste Landesvorsitzende, der nicht zugleich auch Ministerpräsident ist oder die direkte Aussicht darauf hat, es zu werden. Die Grünen liegen nach den letzten Umfragen in Baden-Württemberg bei 32 Prozent und die CDU bei 28 Prozent.

Mit den Umfrageergebnissen gebe man sich nicht zufrieden, sagte Strobl. Man werde 2021 die Grünen aus der Villa Reitzenstein jagen. „Brust raus, Bauch rein, Kopf hoch - und den politischen Gegner ins Visier genommen“, riet Strobl seiner Partei. „Wir waren nie gut, wenn wir uns übermäßig mit uns selber beschäftigt haben.“ Er wünsche sich, dass man die Debatten führe, wo sie hingehörten, sagte Strobl. „Wenn man in der Familie streitet, dann macht man die Fenster zu.“ Die Leute wollten gar nicht wissen, wer wen nicht leiden könne. „Die Leute wollen wissen, wie wir ihre Probleme lösen.“

Doch der Unmut in der Partei wächst. Ein Denkzettel der Delegierten für Strobl so kurz vor der wichtigen Europa- und Kommunalwahl galt bereits im Vorfeld als unwahrscheinlich. Nach der Wahl Ende Mai droht der Partei weiter ein offener Personalstreit. „Ich kann Strobl nicht mehr hören“, sagt ein Delegierter. „Und das geht vielen so.“ Die CDU sei eben nicht die Partei der offenen Revolution, sagt eine andere Delegierte. Unabhängig vom Ergebnis gehe die Personaldebatte um Strobl nach Mai ja sowieso los.

Tagesordnung des 73. Landesparteitags

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