Lucha: Ausbrecher aus Psychiatrie waren Therapieabbrecher

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Manfred Lucha (Grüne)
Manfred Lucha (Grüne), Sozialminister von Baden-Württemberg, spricht während eines Interviews. (Foto: Sebastian Gollnow/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Nach den Ausbrüchen von Straftätern aus der Psychiatrie in Calw und in Weinsberg hat Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) einen anderen Umgang mit solchen Fällen eingefordert. Bei den Entwichenen handele es sich um Therapieabbrecher, sagte Lucha am Donnerstag in Stuttgart. „Nach der Abbruchsentscheidung gehören diese Personen aus meiner Sicht nicht mehr in den Maßregelvollzug, sondern in den Strafvollzug.“ Solche Delinquenten seien im Maßregelvollzug schwer zu handhaben. Der Maßregelvollzug ist kein Strafvollzug. Er soll den Täter laut Sozialministerium durch die Behandlung seiner Störung und durch die sichere Unterbringung in einer spezialisierten Fachklinik mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen davon abhalten, weitere Taten zu begehen.

Lucha sagte, er appelliere an die Justiz, Therapieabbrecher schnell wieder in den Strafvollzug zurückzunehmen, und dadurch zum Schutz der Bevölkerung und der Mitarbeiter im Maßregelvollzug beizutragen. Zugleich forderte Lucha eine Änderung im Strafrecht. Der Anteil der Patienten, bei denen die Maßregel aufgrund fehlender Erfolgsaussichten erledigt werden müsse, sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der entsprechende Paragraf im Gesetz solle reformiert oder gestrichen werden.

Aus dem Zentrum für Psychiatrie in Calw gelang am Mittwochabend vier Straftätern kurzzeitig die Flucht- sie wurden bis Donnerstagmorgen alle wieder gefasst. In Weinsberg kletterte am Donnerstag ein 52-Jähriger über den Zaun.

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