Schulen
Schüler einer siebenten Klasse melden sich während in einem Gymnasium. (Foto: Felix Kästle/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

An den Schulen im Südwesten kann rund jede elfte Unterrichtsstunde nicht wie geplant stattfinden, weil die entsprechende Lehrkraft fehlt. Etwa 40 Prozent dieser Stunden fallen dabei komplett aus, für den Rest gibt es Vertretungen. Das geht aus einer einwöchigen Erhebung des Kultusministeriums an allen öffentlichen Schulen im November vergangenen Jahres hervor.

„Mit jeder Vollerhebung werden wir die Unterrichtsversorgung noch besser einschätzen und analysieren können“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Montag. Häufigster Grund für die Abwesenheit einer Lehrkraft waren Krankheit (53 Prozent), Fortbildungen (17 Prozent) und außerunterrichtliche Veranstaltungen (8 Prozent), wie zum Beispiel Klassenfahrten.

Dass ein Kind in der Schule ist, heißt noch lange nicht, dass auch Unterricht stattfindet SPD-Fraktion

Fehlende Lehrer glichen die Schulen meist mit der Zusammenlegung von Gruppen und Klassen aus, oft leistete ein Kollege Mehrarbeit oder Vertretungslehrkräfte sprangen ein. In der Erhebung wird allerdings nicht aufgeschlüsselt, was die Schüler in den Vertretungsstunden machen. „Die Schulen geben ihr Bestes, es ist aber natürlich nicht möglich, dass jede Unterrichtsstunde fachlich vertreten werden kann“, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Montag.

Überblick: So viele Schüler werden in einer Klasse unterrichtet

Die SPD im Landtag forderte eine genauere Aufschlüsselung der Vertretungsstunden — „Dass ein Kind in der Schule ist, heißt noch lange nicht, dass auch Unterricht stattfindet“, hieß es in einer Mitteilung der Fraktion. Auch das CDU-geführte Kultusministerium strebt nach eigenen Angaben schon länger eine genauere Analyse des Vertretungsunterrichts an, die schulischen Personalvertretungen hätten das aber in der Vergangenheit blockiert. Man sei im Gespräch, um in Zukunft erfassen zu können, was Lehrer und Schüler in Vertretungsstunden machen.

SPD fordert mehr Lehrerstellen

Im Hinblick auf die Zahlen forderte die SPD-Fraktion erneut neue Stellen für Lehrer. „Es fällt weiterhin zu viel Unterricht an unseren Schulen aus“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stefan Fulst-Blei. Seine Fraktion will unter anderem den Ausbau einer Krankheitsreserve um mindestens 20 Prozent auf 2000 Lehrkräfte. Diese Maßnahme könne unmittelbar umgesetzt werden, da viele Gymnasiallehrkräfte eine Stelle suchten.

Ähnliche Forderungen kamen von den baden-württembergischen Ablegern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Die Steuereinnahmen sprudeln. Niemand versteht, warum nicht angesichts des Unterrichtsausfalls die Vertretungsreserve schnell ausgebaut wird“, sagte die Landesvorsitzende der GEW, Doro Moritz, in Stuttgart. „Die Daten liegen vor, jetzt muss das Ministerium auch Lösungen anbieten, um den Unterricht an unseren Schulen zu sichern und dem Lehrermangel zu begegnen“, hieß es vom VBE-Landesvorsitzenden Gerhard Brand.

Weitere Befragungen geplant

„Wir stehen zu den Aussagen im Koalitionsvertrag und wollen die Vertretungsreserve schrittweise verbessern. Durch den Bewerbermangel ist ein Ausbau aktuell jedoch weder sinnvoll, noch umsetzbar“, entgegnete Kultusministerin Eisenmann. Es gäbe zwar gymnasiale Lehrkräfte auf dem Markt, aber da sei auch die Fächerkombination wichtig. Es helfe zum Beispiel wenig, wenn eine Lehrkraft, die Deutsch und Geschichte studiert hat, den Physikunterricht vertritt.

Das Ministerium hatte bereits im Juni 2018 eine ähnliche Erhebung durchgeführt, damals fehlte noch in über 10 Prozent der Unterrichtsstunden der eigentliche Lehrer. Ein unmittelbarer Vergleich der Zahlen sei aber schwierig, da die Erhebung zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr stattfand. Im Februar und Juni dieses Jahres plant das Kultusministerium zwei weitere Befragungen.

Unterrichtsausfall in Baden-Württemberg

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