Landesministerium druckt E-Mail aus - um sie anschließend per E-Mail zu versenden

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Es klingt nach bürokratischem Irrsinn: Der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg wendet sich per Mail an ein Landesministerium - und löst damit einen denkwürdigen Verwaltungsvorgang aus.

E-Mail audrucken, mit Eingangsstempel versehen, anschließend wieder einscannen und per E-Mail versenden? Was nach einem Beamten-Witz klingt, ist zumindest in einem baden-württembergischen Ministerium Realität.

Eingangsstempel vom 24. September

Einen entsprechenden Vorgang hat der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg jetzt auf seiner Facebook-Seite öffentlich gemacht. Gut auf dem beigefügten Foto zu sehen: Die E-Mail, die den Eingangsstempel vom 24. September trägt. Ebenfalls zu erkennen: Nach dem Stempeln wurde die E-Mail erneut digitalisiert. Um welches Ministerium es sich handelt, hat der Flüchtlingsrat unkenntlich gemacht.

Anfrage von Schwäbische.de beim Ministerium für Soziales und Integration, das häufig mit Flüchtlingsangelegenheiten zu tun hat: Der Pressestelle ist eine solche E-Mail nicht bekannt - ob sie an das Ministerium des Ravensburger Grünen-Politikers Manfred Lucha ging, sei wegen der Anonymisierung nicht nachvollziehbar. Zumindest in der Pressestelle würden eingehende Mails jedoch nicht ausgedruckt, sondern mit den gängigen Funktionen des E-Mail-Programms weiterbearbeitet.

Auch im CDU-geführten Innenministerium, zuständig für Migration, Digitalisierung und die grundsätzliche Ausgestaltung der Landesverwaltung, ist der vom Flüchtlingsrat beschriebene Fall nicht bekannt. In der Regel würde man auf Anfragen, die elektronisch gestellt würden, auch elektronisch beantworten, teilte Pressesprecher Carsten Dehner auf Anfrage mit.

In diesem Fall werden E-Mails ausgedruckt

Er räumte jedoch auch ein: Viele Anfragen von Bürgern, die sich mit ihren Anliegen an das Ministerium wendeten, würden nach Abschluss des Vorgangs auf Papier archiviert. Das habe vor allem den Grund, um im Falle von rechtlichen Auseinandersetzungen entsprechende Nachweise erbringen zu können, erläutert Dehner.

Mittelfristig soll mit den Papier-Akten jedoch auch in der Verwaltung Schluss sein. Im kommenden Jahr sollen erste Behörden mit der so genannten „elektronischen Akte“ arbeiten, für 2022 ist der flächendeckende Start vorgesehen. Einige Gerichte im Südwesten arbeiten bereits vollständig digital.

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