Achtung Smombies: In Reutlingen warnt ein Schild Autofahrer vor unaufmerksamen Handynutzern. (Foto: Stadtmarketing Reutlingen)
Schwäbische Zeitung

Ein dreieckiges Verkehrsschild warnt in Reutlingen seit dem Wochenende vor unachtsamen Fußgängern, die mehr auf ihr Handy schauen, als auf die Straße - sogenannte „Smombies“. Wer das Schild aufgestellt hat bleibt ein Rätsel.

Anja Putterstein, Social-Media-Managerin des Stadtmarketings Reutlingen, ist auf dem Weg zur Arbeit als ihr das neue Verkehrsschild auffällt. Auf dem Dreieck  mit dem roten Rahmen sind zwei Fußgänger abgebildet, die auf ihr Handy starren und wie die untoten Zombies durch die Gegend wandeln. 

Wer das Metallschild aufgehängt hat, ist bislang noch unklar. Weder Stadtverwaltung noch Stadtmarketing wissen, wer die Autofahrer vor den ins Handy versunkenen Fußgängern warnen will. Unter dem Facebook-Post des Stadtmarketings wird heiß darüber diskutiert, wer für die Aktion verantwortlich ist. Für sinnvoll hält es Putterstein auf jeden Fall. Es habe bereits Unfälle gegeben, weil sich Fußgänger mehr auf ihr Smartphone konzentrieren, als auf den Verkehr. Auch der Ort sei passend gewählt - die Smombie-Warnung hängt direkt vor dem Friedrich-List-Gymnasium. 

Lange wird das Schild dort allerdings nicht mehr hängen, sagt Albert Keppler, Leiter des Reutlinger Ordnungsamts. „Aber wir schmunzeln genauso über die Sache. Auch, weil es eine gelungene Problemanzeige ist“, sagt er. Aber: Das Schild gibt es so nicht und die Straßenverkehrsordnung sei in dieser Hinsicht sehr streng. Nicht jeder dürfe einfach Schilder aufstellen. Auch, wenn sie noch so sinnvoll seien. „Wir werden das Schild demnächst abhängen, aber ohne Eile.“ Und mit Strafen habe der Verantwortliche auch nicht zu rechnen. Dabei handle es sich zwar um eine Ordnungswidrigkeit, für die die Behörde ein Bußgeld verhängen kann - aber nicht muss. „Wir sehen uns in diesem Fall nicht verpflichtet, jemanden zu bestrafen. Deren Anliegen ist schließlich auch unser Anliegen. Dass alle sicher nach Hause kommen.“ 

Daher hofft die Behörde, dass sich der Urheber meldet, damit ihm das Schild zurückgegeben werden kann. Sollte das nicht passieren, gebe es schon andere Interessenten: „Die Rektorin des Gymnasiums hat sich schon gemeldet. Sie könnte sich vorstellen, das Schild als Denkanstoß in der Schule aufzuhängen.“

Für Aufmerksamkeit hat das neue Verkehrsschild mittlerweile nicht nur in Reutlingen gesorgt. Angefangen mit dem Facebook-Post von Anja Putterstein sorgt das Schild nun im Internet für Aufsehen. „Ich fand das kurios aber war erst unschlüssig, ob ich überhaupt ein Bild davon posten soll“, sagt sie. Dann veröffentlicht sie das Foto doch auf Facebook. Seitdem verbreitet sich das Reutlinger „Smombie“-Schild rasend schnell im Internet. Verschiedene Zeitungen, Radio- und Fernsehsender aus dem In- und Ausland haben sich angemeldet. „Dass das so durch die Decke geht, haben wir nicht gedacht“, sagt die Social-Media-Managerin. Allein auf Facebook hat die Geschichte knapp eine halbe Millionen Menschen erreicht. 

Wirklich erklären kann sich das Reutlinger Stadtmarketing diesen Hype nicht. „Wir denken, das ist ein aktuelles Thema, das die Leute beschäftigt“, sagt Putterstein. Ganz neu ist die Idee für das Schild nicht, das haben auch Putterstein und ihre Kollegen mittlerweile herausgefunden. Die Vorbilder des Reutlinger Schilds steht seit 2015 in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Der Grafiker Jacob Sempler hat sie vor drei Jahren aufgestellt. 

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