Kommt man bald nur noch mit personalisiertem Tickets ins Fußballstadion?

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Thomas Strobl spricht zur Presse
Thomas Strobl (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg, spricht zur Presse. (Foto: Sebastian Gollnow / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl regt personalisierte Tickets für Zuschauer im Profi-Fußball an, um Täter nach Schmähgesängen besser ermitteln zu können.

„Es ist absolut inakzeptabel, wenn bei Fußballspielen Rassismus offen zutage tritt, wenn völlig unschuldige Menschen traktiert werden, nur weil sie anderer Herkunft oder Hautfarbe sind“, teilte der CDU-Minister auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart mit.

Die Innenminister müssten auf ihrer Konferenz vom 17. bis zum 19. Juni in Erfurt darüber sprechen, ob Eintrittskarten für Fußballspiele in den Profiligen künftig nur noch personalisiert ausgegeben werden dürften.

Täter können häufig nicht oder nur schwer identifiziert werden

„Das Risiko, als Täter erwischt zu werden und spürbare strafrechtliche Sanktionen auferlegt zu bekommen, war und ist eines der besten Mittel, um Straftaten zu verhindern“, sagte Strobl. Bislang könnten die Täter nur schwer ausgemacht werden.

Das Ministerium erklärte, es lägen zwar meistens Videoaufnahmen der Tatverdächtigen vor. Die Täter könnten jedoch nicht oder nur schwer identifiziert werden. Manchmal seien sie vermummt, oder aufgehängte Transparente verdeckten die Personen. Eine Arbeitsgruppe solle das Thema personalisierte Tickets prüfen.

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke kritisiert Vorstoß

Als Beispiel nannte das Ministerium das Bundesliga-Spiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Bayern München am 29. Februar 2020 in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis). Bayern-Fans hatten den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp mit Spruchbändern schwer beleidigt. Das Spiel in Hoffenheim wurde daraufhin zweimal von Schiedsrichter Christian Dingert unterbrochen. In den letzten 13 Minuten spielten die beiden Mannschaften nur noch symbolisch den Ball hin und her.

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke kritisierte, der Vorstoß offenbare „ein Denken, das von überwachungsstaatlichem Misstrauen getrieben ist“. Er sieht darin eine Gefahr für den Datenschutz. „Gerade im Rahmen der gegenwärtigen Situation ist dies ein Versuch, coronabedingte Maßnahmen dauerhaft zu institutionalisieren und den gläsernen Bürger mit fadenscheinigen Argumenten zu etablieren.“

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