Zwei Mitarbeiter des Campus Galli tragen Weidenruten zur Baustelle.
(Foto: Sebastian Musolf)
Sebastian Musolf

Auf dem Campus Galli bei Meßkirch im Landkreis Sigmaringen setzen Handwerker den mittelalterlichen Klosterplan von St.Gallen um. Innerhalb von 40 Jahren soll hier eine Stadt entstehen, wie sie den Zeichnungen aus dem 9. Jahrhundert nach Christi entspricht – inklusive mächtiger Steinkirche. Der Stadt Meßkirch und der Region soll das Projektmehr Touristen bringen und ganz allgemein ihren Bekanntheitsgrad steigern.

Doch die erste Saison im vergangenen Jahr blieb weit hinter den Erwartungen zurück: Statt der ursprünglich kalkulierten 44000 Besucher kamen nur 12225 auf die Baustelle. Die Stadt Meßkirch musste daher anstatt der geplanten 50000 rund 170000 Euro zuschießen. „Wegen des harten Winters konnten wir erst am 22. Juni eröffnen“, sagt der Vorsitzende des Trägervereins der Klosterstadt und Projektinitiator, Bert M. Geurten. Wegen dieses späten Termins konnte der Campus Galli im Jahr 2013 nicht in die Kataloge der Reisebusunternehmen aufgenommen werden. Die Baustelle musste erst auf Messen und in überregionalen Medien bekannt gemacht werden. Dieses Jahr erlebe die Klosterstadt erstmals eine komplette Saison, sagt der 65-jährige Geurten. Am 2. April öffnete der Campus Galli seine Tore – und die Besucherzahlen sind angestiegen im Vergleich zum Vorjahr: Bis Anfang August kamen 15000 Gäste. Dieses Jahr steuern die Reisebusse das Freilichtmuseum an, im Fernsehen und in der Zeitung ist regelmäßig vom Campus Galli die Rede. Ein Schulbuchverlag und eine Universität in den USA wollen mit dem Projekt kooperieren.

Trotz des positiven Trends entschieden sich Stadt und Trägerverein Ende Mai dazu, die Erwartungen nach unten zu korrigieren: Ziel sei es, diese Saison die 30000-Besucher-Marke zu erreichen. „Wir wollten einfach Sicherheit haben. Die 30000 Besucher erreichen wir auf jeden Fall“, sagte Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick damals bei einem Pressegespräch. Aufgrund dieser Anpassung entschied der Gemeinderat dieses Jahr, zu den ursprünglich geplanten 65000 Euro noch 200000 Euro zuzuschießen: insgesamt also 265000 Euro.

Archäologe als Geschäftsführer

Seit dem 1. August hat der Campus Galli einen Geschäftsführer – er soll eine Entlastung für Projektinitiator Geurten sein: Der 33-jährige Archäologe Hannes Napierala möchte die bestehenden Strukturen der Klosterstadt zukunftssicher machen und ausbauen. Er wird sich um die Koordination der rund 30 Mitarbeiter auf der Baustelle kümmern und das Tagesgeschäft organisieren. Es geht dabei etwa um Fragen, wie die Gastronomie große Besucherzahlen bedienen kann. Für drei Monate steht ihm ein Finanzberater zur Seite, der ein befristetes Mandat übernommen hat. Das Budget für beide Stellen beläuft sich insgesamt auf 50000 Euro, wird aber nach Angaben des Trägervereins und des Bürgermeisters bei Weitem nicht ausgereizt.

Um den Rückhalt in der Bevölkerung zu stärken und für mehr Transparenz zu sorgen, sind seit diesem Sommer fünf von zehn Posten im Vorstand des Trägervereins mit Meßkircher Bürgern besetzt. Der Verein hat seinen Sitz in die Stadt verlegt. Vorher bestand der Vorstand aus Vertrauten Geurtens und war in der Nähe von Aachen beheimatet. Diese Öffnung kommt dem Projekt zugute: Immer mehr Meßkircher engagieren sich als freiwillige Helfer auf der Baustelle, leisten Sachspenden oder werben für den Campus Galli. In Meßkirch gibt es jetzt ein Haus, in dem bis zu zehn ehrenamtliche Helfer des Campus Galli kostenlos wohnen können. Dies soll verhindern, dass Interessierte wegen hoher Unterkunfts- oder Fahrtkosten vor einem Engagement zurückschrecken.

Projektinitiator Geurten ist sich sicher, dass der Campus Galli in drei bis vier Jahren schwarze Zahlen schreiben kann: „Die Zeit muss man uns geben. Es soll auf keinen Fall ein Fass ohne Boden sein.“

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