Klimawandel mache Bäumen zu schaffen: Kretschmann macht den kranken Wald zur Chefsache

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Kretschmann im Wald
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) steht bei einer Waldbegehung unter Bäumen. In den Wäldern in Baden-Württemberg gibt es massive Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer. (Foto: Patrick Seeger)
Deutsche Presse-Agentur
Jürgen Ruf

Der Ministerpräsident steht im Wald. Winfried Kretschmann hat seinen Sommerurlaub unterbrochen, um mit einer Visite bei Betroffenen auf ein drängendes Problem hinzuweisen: Hitze, Dürre und Schädlinge machen den Wald kaputt.

Der Klimawandel trifft die Wälder im Land mit nicht geahnter Wucht.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Im Schwarzwald nimmt der Grünen-Politiker Schäden genauer unter die Lupe. Nur das Wetter spielt nicht mit an diesem Tag: Nach zwei trockenen Sommern regnet es bei Kretschmanns Waldbegehung. Den Wald rettet das nicht. Vor allem der Klimawandel lässt die Bäume absterben.

Dürre, Hitze und Schädlinge setzen unseren Waldbäumen mit einer Geschwindigkeit zu, die das Naturgefüge ins Wanken bringt.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

„Der Klimawandel trifft die Wälder im Land mit nicht geahnter Wucht“, sagt Kretschmann, als er am Dienstag in der Schwarzwaldgemeinde Ühlingen-Birkendorf im Kreis Waldshut mehrere Wälder besucht: „Dürre, Hitze und Schädlinge setzen unseren Waldbäumen mit einer Geschwindigkeit zu, die das Naturgefüge ins Wanken bringt.“ Kretschmann spricht von einer landesweit dramatischen Situation und von einer Krise, auf die das Land Antworten finden müsse.

Dabei geht es auch um Nothilfe, unter anderem für die etwa 240 000 Waldbesitzer im Land. Sie fürchten um die Existenz, weil Holzpreise nach zwei heißen und trockenen Sommern und den vielen Schädlingen im Keller sind. Der Wald als Wirtschaftsfaktor, fürchten sie, wird schon bald nichts mehr wert sein. Ein Ende der Krise sei nicht in Sicht.

Kretschmann hört zu, verspricht aber nichts bei seinem Waldrundgang. „Wir stehen vor schwierigen Haushaltsberatungen“, sagt der Regierungschef. Und weiter: „Wir müssen jetzt vor allem auch schauen, wie wir den privaten Kleinwaldbesitzern helfen können. Das ist ja für die oft eine Sparkasse im Schwarzwald gewesen.“ Klar sei, dass geholfen werde. Nur wie, sei noch nicht entschieden.

Für Anfang September hat die Landesregierung schon einen baden-württembergischen „Waldgipfel“ angekündigt. Mit „allen Betroffenen und Beteiligten“, wie Kretschmann sagt, soll dann über die Lage und die nächsten Entscheidungen beraten werden.

Forstminister Peter Hauk (CDU) spricht von Schäden, die sich schon jetzt im dreistelligen Millionenbereich bewegten. Der Minister hat vor rund einem Monat einen Notfallplan für die stark geschädigten Wälder im Südwesten in Aussicht gestellt. Zudem fordert er Hilfszahlungen vom Bund für den Schutz der Wälder.

So viele Leute kann es gar nicht geben, dass wir den Schäden noch hinterherkommen.

Forstminister Peter Hauk (CDU)

Zusätzliches Personal für das Beseitigen von abgestorbenen Bäumen und die Wiederaufforstung, wie sie am Dienstag die Landesvertretung Forst und Naturschutz der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt fordert, werde nichts bringen, sagt der Minister.

„So viele Leute kann es gar nicht geben, dass wir den Schäden noch hinterherkommen.“ Die entscheidende Frage sei vielmehr, was langfristig getan werden könne, um den Wald zu retten — etwa mit dem Pflanzen neuer Baumarten, die dem Klimawandel besser standhalten als bestehende Baumsorten. Kretschmann sagt, zu dieser Frage brauche es mehr Forschung.

Helge von Gilsa, Chef des Kreisforstamtes Waldshut, sieht die Lage dramatisch. „Der Wald in seiner bestehenden Form ist dem Untergang geweiht.“ Schäden wie in diesem Jahr habe es noch nie gegeben. Der Klimawandel bringe extreme Wetterbedingungen, diese verschärften die Situation: „Wir sind wirkungslos und machtlos“, sagt der Förster.

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Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg untersucht, wie Wälder umgebaut werden können, damit sie den Klimawandel überstehen. „Wenn der Mensch sich weiter so verhält, wie er es derzeit tut, wird der Wald keine Zukunft haben“, sagt der Chef der Forschungsanstalt, Konstantin von Teuffel.

Auch neue Baumarten seien kein Mittel, das Problem auf Dauer zu lösen. Die einzige Möglichkeit sei, stärker auf die Umwelt zu achten und die Erderwärmung einzugrenzen. Der Wald, sagt der Wissenschaftler, brauche endlich „die Unterstützung aller in der Gesellschaft“.

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