Amtsgericht Mannheim
Das Eingangsportal des Amtsgerichts. (Foto: Ronald Wittek/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Mit offenen Wunden, ausgerissenen Haaren, gebrochenem Handknochen und Schlüsselbein, einer Leberprellung sowie völlig unterernährt ist ein kleiner Junge 2017 aus einer Pflegefamilie herausgeholt worden. Die Pflegeeltern stehen von Dienstag an (12. Februar) wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung mit Misshandlung von Schutzbefohlenen vor dem Amtsgericht Mannheim. Der damals Dreijährige war von Ende Dezember 2016 bis Mitte September 2017 bei den Angeklagten aus dem Rhein-Neckar-Kreis zur Dauerpflege untergebracht. Das Jugendamt war auf die Misshandlung aufmerksam geworden und brachte den Bub in eine Klinik, wo er zehn Tage behandelt wurde. Die Behörde erstattete Anzeige gegen unbekannt.

Die 44-jährige Pflegemutter hat laut Anklage eine Misshandlung des Kindes bestritten. Dieses sei gestürzt und habe zu wenig gegessen, um die anderen Familienmitglieder zu „bestrafen“. Die Haare habe der Junge sich selbst herausgerissen. Der gleichaltrige Vater hatte zunächst geschwiegen und dann einen Brief ans Gericht geschrieben, dessen Inhalt nicht öffentlich bekannt wurde. Das Paar hat zwei leibliche Kinder, die 2006 und 2008 geboren wurden. Die leibliche Mutter des Opfers tritt in der Verhandlung als Nebenklägerin auf.

Zu Beginn der Pflege habe sich das Ehepaar ordnungsgemäß um den Jungen gekümmert. Im Juli 2017 soll der Pflegevater das Kind laut Anklage zumindest einmal geschlagen haben. Seine 44-jährige Ehefrau soll ab diesem Zeitpunkt ihren Pflegesohn gequält und misshandelt haben, indem sie ihm für mehrere Wochen keine oder zu wenig Nahrung gegeben, ganze Haarbüschel herausgerissen und ihn zur Züchtigung mit kaltem Wasser abgeduscht habe. Der Angeklagte soll dies gewusst und durch unterlassene Hilfe gefördert haben.

Der Strafrahmen für die gefährliche Körperverletzung und die Misshandlung von Schutzbefohlenen liegt bei sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.

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