Jugend forscht: Junge Erfinder werden nicht genug gefördert

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Sven Baszio, Geschäftsführer Stiftung Jugend forscht
Das undatierte Foto zeigt den Geschäftsführer der Stiftung Jugend forscht, Sven Baszio. (Foto: Stiftung Jugend forscht e. V./Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Zahl junger Erfinder in Deutschland nimmt zwar stark zu. Die Kreativität der Jugendlichen wird aber nach Ansicht der Stiftung Jugend forscht noch nicht ausreichend gefördert. „Das Potenzial ist bei weitem nicht gehoben. Nach wie vor wird die Kraft des jugendlichen Erfindergeistes bei uns unterschätzt“, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Sven Baszio, der Deutschen Presse-Agentur.

Lehrer sollten zum Beispiel besser ausgebildet werden, um Talente gezielter zu erkennen und für die Forschung fit zu machen. Außerdem gebe es in Deutschland abseits der Schulen zu wenige Orte, an denen sich jugendliche Erfinder treffen, austauschen und experimentieren können, sagte Baszio. „Schule allein reicht da nicht, dort sind die zeitlichen Räume und die Infrastruktur zu beschränkt.“ Jugendliche müssten sich regelmäßig treffen und zum Beispiel in sogenannten Schülerforschungszentren ihren Ideen nachgehen können, sagte Baszio vor der Verleihung des Artur-Fischer-Erfinderpreises am Mittwoch in Stuttgart. Der Preis prämiert alle zwei Jahre sowohl private Erfinder als auch Erfindungen von Schülern und Schulklassen.

Vor allem die Kommunen seien in diesem Punkt gefragt. Sie könnten etwa leerstehende Häuser bereitstellen, außerdem müsse die lokale Wirtschaft ins Boot geholt werden, schlägt Baszio vor. „Für beide ist es eine Win-Win-Situation, denn die Jugendlichen werden gefördert, und die Wirtschaft sichtet und schult ihren möglichen Nachwuchs.“

Bislang gebe es rund 100 sogenannte Schülerforschungszentren in Deutschland. „Das ist natürlich bei weitem nicht genug“, sagte Baszio und äußert Unverständnis: „Bei Fußballprofis erwarten wir auch nicht, dass sie aus dem Schulsport stammen, sondern wir fördern die Talente frühzeitig in Leistungszentren. Aber erstaunlicherweise scheint die Gesellschaft zu erwarten, dass unsere Nobelpreisträger aus dem Schulunterricht hervorgehen.“

Dabei setzten sich Jugendliche bei ihren Projekten zunehmend mit aktuellen Themen auseinander, sagte Baszio. „Sie sind total am Puls der Zeit.“ Immer stärker seien „grüne Themen“ wie die Energiewende, der Klimawandel und die Welternährung im Wettbewerb Jugend forscht vertreten. Förderlich sei hier auch der einfache Zugang zu weltweiter Information, zu Methoden und Techniken über das Internet.

Ansprechpartner Jugend forscht

Artur Fischer-Erfinderpreis

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