JU-Kollegen erschrocken über Kiesewetter

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Lutz Kiesewetter
Lutz Kiesewetter (Foto: archiv)
Schwäbische Zeitung
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Von der Homepage der Jungen Union (JU) Nordwürttemberg hat er noch am Freitagmorgen als Bezirksvorsitzender gegrüßt, doch zu diesem Zeitpunkt ist Lutz Kiesewetter gar nicht mehr Chef der 3800 Mitglieder starken CDU-Nachwuchsorganisation.

Der Sohn des CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter aus dem Wahlkreis Aalen-Heidenheim ist von seinem Amt zurückgetreten. Der Grund: Nazi-Parolen und Beleidigungen.

„Es waren schlimme Aussagen“, sagt Thomas Häfele, Kreisvorsitzender der JU Ostalb, der ebenfalls beim Bezirkstag in Denkendorf war. Doch was genau Kiesewetter im kleinen Kreis nach dem offiziellen Teil des Parteitags gesagt hat, will Häfele nicht wiederholen. Schließlich sei er bei jener Runde auch nicht dabei gewesen. Wie der SWR unter Berufung auf CDU-Kreise berichtet, sei bei der Party zwischen den beiden Tagungstagen Alkohol im Spiel gewesen.

Zu den Vorwürfen will sich Lutz Kiesewetter auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ nicht äußern. In einer E-Mail an den JU-Vorstand entschuldigte er sich mittlerweile für sein Verhalten: „Es ist mir unendlich peinlich“, schreibt Kiesewetter. Er sei selbst über sein Verhalten erschrocken, und wer ihn kenne, wisse, dass er mit rechtsextremem Gedankengut nichts zu tun habe.

Erst am vergangenen Wochenende war der 22-jährige Politiker aus dem Ostalbkreis beim Parteitag als Bezirkschef der JU Nordwürttemberg bestätigt worden. Nie zuvor sei Kiesewetter in der Öffentlichkeit oder in Sitzungen mit rechtsradikalen Äußerungen aufgefallen, beschreibt ihn Samuel Gail in einer E-Mail an die „Schwäbische Zeitung“. Gail ist Vorsitzender der Aalener JU – dem Stadtverband, in dem Kiesewetters politische Karriere begann. 2009 trat Kiesewetter in den Stadtverband ein, bereits ein Jahr später war er deren Vorsitzender. 2013 wählten ihn die Delegierten der JU Nordwürttemberg dann erstmals zu ihrem Vorsitzenden.

Am Wochenende seiner Wiederwahl soll Kiesewetter nicht nur mit Nazi-Parolen aufgefallen sein, sondern auch JU-Landeschef Nikolas Löbel beleidigt haben. „Ich war bei der eigentlichen Situation nicht anwesend, kann den Vorfall daher nicht bestätigen oder kommentieren. Lutz Kiesewetter hat sich aber bei mir in aller Form entschuldigt. Ich habe die Entschuldigung angenommen. Er hat jetzt sehr schnell die Konsequenzen gezogen. Das war aufrichtig und verdient Respekt“, sagt Löbel. Roderich Kiesewetter, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vater von Lutz Kiesewetter, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er befindet sich auf einer Dienstreise in den USA.

Auf Distanz

„Wir können es nicht fassen und distanzieren uns von den Aussagen“, sagt JU-Kreischef Häfele. Am Freitagabend tagte der Kreisverband der JU im Ostalbkreis. Lutz Kiesewetter stellte dabei sein Amt als stellvertretender Kreisvorsitzender zur Verfügung. Zur Hauptversammlung wolle Kiesewetter selbst aber nicht kommen, sagt Häfele.

Über die Konsequenzen innerhalb des JU-Stadtverbands Aalen werde bei der kommenden Vorstandssitzung beraten, schreibt Samuel Gail. Zu seiner politischen Zukunft sagt Kiesewetter selbst: „Politische Ambitionen habe ich im Moment nicht.“

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