IT-Projekt an Schulen: Rechnungshof rügt Kostensteigerungen

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Akten
Akten zu einem Bericht eines Rechnungshofes liegen während einer Pressekonferenz aus. (Foto: Axel Heimken/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Ein IT-Programm für die Schulen im Südwesten ist deutlich teurer geworden als erwartet. Es geht um die Software Amtliche Schulverwaltung Baden-Württemberg (ASV-BW), die Schulen Verwaltungsarbeit abnehmen und der Politik die Erfassung von Schuldaten erleichtern soll. Bis 2018 sind nach einem Bericht des Landesrechnungshofes dafür Gesamtkosten von mindestens 47 Millionen Euro angefallen. Zu Projektbeginn seien nur knapp 4 Millionen Euro veranschlagt worden. Darüber berichtete zuerst die „Südwest Presse“.

ASV-BW wurde von Baden-Württemberg in Kooperation mit Bayern entwickelt. Die Planungen des Kultusministeriums in Stuttgart von 2006 gingen laut Rechnungshof davon aus, ASV-BW im Schuljahr 2008/2009 einzuführen. Aber: „Die Software wird bis heute nicht flächendeckend eingesetzt.“ Nach einer Schätzung nutzten sie nur 410 von insgesamt 4500 Schulen in Baden-Württemberg. „Die Zielvorgaben des Projektes ASV-BW zu Kosten, Zeiten und Leistungen wurden deutlich verfehlt“, heißt es in dem Bericht des Rechnungshofes in Karlsruhe, der über die Verwendung von Steuergeldern wacht.

Als mögliche Gründe wurden „Anpassungsbedarfe“ genannt, die sich etwa mit der Umstellung vom acht- auf das neunjährige Gymnasium, die Einführung der Gemeinschaftsschule und die Einbeziehung behinderter Kinder in den regulären Schulunterricht (Inklusion) ergaben. Allerdings stellten die Rechnungsprüfer auch „erhebliche Mängel im Projektmanagement“ fest. So seien Risiken falsch eingeschätzt worden.

FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke forderte von der grün-schwarzen Landesregierung Aufklärung dazu, warum ASV-BW nicht läuft. Für ihn handelt es sich um einen weiteren Fall, bei dem die Landesregierung im Management eines IT-Projektes versagt hat. Auch die Bildungsplattform „ella“ hatte sich als Problem erwiesen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) stoppte das Projekt im vergangenen Jahr. Die Bildungsplattform wird nun neu aufgesetzt.

Kultusministerin Eisenmann kündigte an, im Landtag ausführlich Stellung zu ASV-BW nehmen zu wollen. Es werde daran gearbeitet, die Software zu verbessern - etwa die Nutzerfreundlichkeit. „Unser gemeinsames Ziel ist es, den Schulen eine leistungsfähige und effiziente Schulverwaltungssoftware zur Verfügung zu stellen, welche die Schulleitungen sowohl funktional wie auch zeitlich entlastet.“ Eisenmann will die Software flächendeckend und verpflichtend für die Schulen einführen - zu welchem Zeitpunkt, ist noch offen.

Jedenfalls sei der Verlauf des Projektes seit 2007 nicht zufriedenstellend, räumte das Ministerium ein. Frühere Schwächen beim Management des Projektes seien aber erkannt und angegangen worden.

Landesrechnungshof

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