Schwäbische Zeitung

Mit dem Ende des Schuljahres steht für tausende Grundschüler ein neuer Lebensabschnitt bevor. Doch der Übergang auf eine weiterführende Schule birgt Zündstoff. Unsere Karte zeigt, wo welche Schulart beliebter ist.

Spitzenreiter in den meisten Landkreisen im Südwesten ist das Gymnasium. Knapp 40.000 Jungen und Mädchen wählten im abgelaufenen Schuljahr diesen Bildungsweg - das entspricht rund 44 Prozent aller Grundschulabsolventen. Danach folgen Realschule, Werkrealschule und Gemeinschaftsschule.

In den städtischen Gebieten Baden-Württembergs ist die Übergangsquote auf das Gymnasium deutlich höher als im ländlichen Raum. Spitzenreiter im Land ist der Stadtkreis Heidelberg mit 65,7 Prozent der Viertklässler, die auf ein Gymnasium wechselten. Dahinter folgen die Stadtkreise Baden-Baden (62,2 Prozent), Karlsruhe (59,1 Prozent) und Stuttgart (57,6 Prozent). Überdurchschnittlich (51 Prozent) schneidet zudem der Stadtkreis Ulm ab.

Gymnasium hat meist die Nase vorn

In den ländlichen Gebieten Baden-Württembergs wandelt sich dagegen das Bild. Im Landkreis Waldshut - Schlusslicht im Südwesten - wechselte im Schuljahr 2016/17 etwa nur jeder Vierte aufs Gymnasium, im Landkreis Tuttlingen ungefähr jeder Dritte (34,4 Prozent). Unter 40 Prozent blieben etwa auch die Landkreise Sigmaringen, Ravensburg, Biberach und der Alb-Donau-Kreis.

Während in den meisten Landkreisen das Gymnasium bei den Schulwechslern ganz vorn liegt, ist das etwa im Alb-Donau-Kreis anders. Mit 43 Prozent liegt die Zahl der Wechsler auf die Realschule dort deutlich vor dem Gymnasium (36,1 Prozent). Ähnlich sieht es im Landkreis Tuttlingen aus (42,9 / 34,4 Prozent). 

Noch deutlicher ist das Stadt-Land-Gefälle bei den Werkreal- und Hauptschulen. So liegt hier die Übergangsquote im Landkreis Ravensburg (11,0 Prozent) fast fünf mal höher als im Stadtkreis Ulm (2,4 Prozent). Besonders hoch ist der Anteil der Wechsler auf Werkreal- und Hauptschulen in den Landkreisen des Schwarzwaldes, während die Quote vor allem rund um Stuttgart deutlich unterdurchschnittlich ist.

Erreichbarkeit der Schulen spielt eine Rolle

Dieses Stadt-Land-Gefälle hat man auch beim Statistischen Landesamt in Stuttgart registriert. Eine eindeutige Erklärung gibt es dafür allerdings nicht. "In ländlichen Gebieten spielt oft die Erreichbarkeit eine Rolle", liefert Statistiker Rainer Wolf eine mögliche Ursache. Heißt: Wer auf dem Land wohnt, tendiert eher dazu, seine Kinder zunächst auf die nächstgelegene weiterführende Schule zu schicken. "Man hat ja später noch die Möglichkeit, sich weiterzuqualifizieren".

Nach Einschätzung Wolfs spielt allerdings oft auch die Vorbildung des Elternhauses eine große Rolle. Zum einen, weil diese sich auf schulischen Leistungen des Kindes positiv auswirken könnten. Und andererseits, weil Eltern mit höherer Schulbildung diese auch ihrem Nachwuchs ermöglichen wollen. "Das ist sicherlich ein Grund, warum in Universitätsstädten deutlich mehr Schüler aufs Gymnasium wechseln", sagt Wolf.

Der Experte vom Statistischen Landesamt hat aber noch eine andere mögliche Erklärung ausgemacht. Wenn es in einer Region auch für niedrigere Bildungsabschlüsse ein ausreichendes Arbeitsplatzangebot gibt, beeinflusst das laut Wolf ebenfalls die Wahl der weiterführenden Schule.

So schneiden Gymnasium, Realschule & Co. in der Region ab

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