Falsche Testergebnisse an Schulen führen immer wieder zu Fehlalarm

Aus mehreren Schulen im Land sind in den vergangenen Tagen falsch-positive Testergebnisse gemeldet worden. Das Gesundheitsminist
Aus mehreren Schulen im Land sind in den vergangenen Tagen falsch-positive Testergebnisse gemeldet worden. Das Gesundheitsministerium sieht derzeit aber noch keinen Anlass zur Sorge. Die Zahl liege innerhalb des statistisch Erwartbaren, sagt ein Sprecher. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Landespolitische Korrespondentin

Bis zu dreimal die Woche müssen sich Schüler und Schülerinnen in Baden-Württemberg auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen. Meistens tun sie das mit Schnelltestkits, die das Land den Kommunen zur Verfügung stellt. „Das Schutzpaket aus engmaschiger Testung, Masken, Hygiene, Impfung und Luftfiltern hat sich bewährt“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) noch vor einigen Tagen.

Doch jetzt häufen sich in mehreren Landkreisen positive Schnelltestergebnisse, die sich später als falsch herausstellten. Das Gesundheitsministerium sieht derzeit noch keinen Anlass zur Sorge. Die Anzahl der falsch-positiven Testergebnisse liege innerhalb des statistisch Erwartbaren, sagt ein Sprecher. Doch es gibt Kritik.

Falsch-positive Tests sorgen in Schulen in der Region für Aufregung

Mehr als zehn Schülerinnen und Schüler waren am Laupheimer Carl-Lämmle-Gymnasium betroffen, 26 waren es an einer Realschule in Gosheim im Landkreis Tuttlingen, an der Ochsenhausener Realschule waren es sogar 28. Und auch an zwei Schulen im Alb-Donau-Kreis gibt es nach Angaben des Landratsamtes Auffälligkeiten.

Innerhalb weniger Tage wurden an verschiedenen Schulen im Land Schüler positiv auf das Coronavirus getestet und nach Hause geschickt – so wie es die Regeln vorsehen. Fast immer stellte sich kurze Zeit später heraus: Die Schüler sind gar nicht infiziert, vielmehr scheinen die Tests fehlerhaft zu sein.

Am Laupheimer Gymnasium wurde die betroffene Test-Charge daraufhin ausgetauscht. Dass in großer Anzahl fehlerhafte Tests an Schulen verwendet werden, glaubt man im baden-württembergischen Gesundheitsministerium derweil nicht. Von insgesamt 1101 Kommunen im Land hätten bisher lediglich sieben Kommunen einen solchen Fehlalarm berichtet.

„Die Überprüfung der im Ministerium eingegangenen Meldungen hat bislang ergeben, dass die Anzahl der falsch-positiven-Testergebnisse innerhalb der statistisch zu erwartenden Ergebnisse lagen, somit also innerhalb der Toleranz“, erklärt Pascal Murmann, Sprecher am Ministerium.

Sprecher: „Kein diagnostisches Verfahren liefert zu 100 Prozent zuverlässige Ergebnisse“

Zudem habe man den Produzenten der Tests kontaktiert und um Stellungnahme gebeten. „Der Hersteller hat mitgeteilt, dass dort bislang keine Reklamationen bezüglich der Häufigkeit von falsch-positiven Tests bekannt sind, sagt Murmann. „Weltweit seien bereits mehr als zehn Millionen Tests verkauft worden, ohne dass Reklamationen erfolgten.“

Man beobachte das Geschehen jedoch weiter und sei für Kommunen jederzeit ansprechbar, wenn sich vor Ort Probleme ergeben, verspricht Murmann. „Sollten sich im weiteren Verlauf tatsächlich größere Unregelmäßigkeiten ergeben, tauschen wir Tests selbstverständlich aus.“

Dass mit dem Auftreten – zunächst – positiver Ergebnisse bei den Testungen erhebliche Belastungen und Ängste bei den Schülerinnen und Schüler, den Eltern und Lehrkräften entstehen, verstehe man, sagt Murmann.

Dass es zusätzlich Ärger auslöst, wenn sich durch einen Nachtest mittels Selbsttest oder durch einen PCR-Test dieses Testergebnis als falsch herausstellt, somit falsch-positiv ist, sei ebenso verständlich und nachvollziehbar. „Grundsätzlich muss man aber leider auch sagen: kein diagnostisches Verfahren weltweit – auch nicht zum Nachweis anderer Erreger als SARS-CoV-2 – liefert zu 100 Prozent zuverlässige Ergebnisse.“

1739 Schülerinnen und Schüler sind derzeit im Land positiv auf das Coronavirus getestet. Das entspricht einem Anteil von 0,12 Prozent der Schülerschaft. Insgesamt befinden sich momentan 1680 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne – das entspricht 0,11 Prozent. 17 Klassen werden wegen positiver Tests derzeit nicht in Präsenz unterrichtet. Vollständig geschlossen ist momentan keine Schule.

„Die Teststrategie hat sich bewährt, und die Rückmeldungen aus den Schulen zeigen, dass das Testen funktioniert und mittlerweile zum Schulalltag gehört“, sagt ein Sprecher des Kultusministeriums. „Gleichwohl werden grundsätzlich alle Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit Corona regelmäßig auf den Prüfstand gestellt, um gegebenenfalls nachzujustieren.“

Lehrer kritisieren Schnelltests

Kritik kommt derweil unter anderem von den Lehrern. Die falsch-positiven Tests seien ein bekanntes Problem, sagt etwa Ralf Scholl, Vorsitzender des Philologenverbands Baden-Württemberg. „Das ist einer der beiden Gründe, warum der Philologenverband BW für die Schulen einen flächendeckenden Übergang auf PCR-Pooltests gefordert hat.“

Diese Tests hätten außerdem den Vorteil, dass sie bereits am zweiten Tag nach einer Infektion ein korrekt positives Resultat zeigen, während Schnelltests frühestens vier bis fünf Tage nach einer Infektion auch „positiv“ anzeigten. An einigen Schulen im Land, unter anderem im Ostalbkreis, wird der Einsatz solcher PCR-Pooltests bereits getestet.

Das Argument, es sei manchmal regional schwierig, die PCR-Proben zeitnah in ein „weit entferntes“ Testlabor zu schicken, hält Scholl für eine Schutzbehauptung: „Das organisieren ja selbst afrikanische Entwicklungsländern über größere Entfernungen auf deutlich schlechteren Straßen erfolgreich.“

Noch deutlicher wird Michael Mittelstaedt, der Vorsitzende des Landeselternbeirats: „In Summe ist es erbärmlich, dass ein Land wie Baden-Württemberg keine flächendeckenden PCR-Lollytests auf die Reihe bekommt“, sagt er. „Das passt aber zum desolaten Bildungssystem, insofern ist ja das Gesamtbild konsistent.“

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