Im Südwesten gibt es einen gravierenden Wohnungsmangel.
Im Südwesten gibt es einen gravierenden Wohnungsmangel. (Foto: dpa)
Kara Ballarin

Der Wohnungsmangel in Baden-Württemberg ist massiv. Zu diesem Ergebnis kommt eine Prognos-Studie, die am Montag in Stuttgart am Rande eines Treffens der Wohnraum-Allianz vorgestellt wurde. Wegen des wirtschaftlichen Booms sind in den vergangenen Jahren deutlich mehr Menschen in den Südwesten gezogen, als Wohnungen gebaut wurden. Es fehlen 88000 Wohnungen – vor allem in den Städten, aber auch in wirtschaftsstarken ländlichen Regionen wie dem Bodenseekreis und dem Kreis Ravensburg. „Wohnen wird daher zu einem immer wichtigen Standortfaktor“, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU).

Anhand der Studie plädierte Tobias Koch von Prognos dafür, bis 2020 landesweit jährlich 65 000 Wohnungen zu bauen. „Baden-Württemberg ist eines der dynamischsten Länder“, so Koch. „Die Bevölkerung wird weiter anwachsen.“ Allein um den Status quo bei den Sozialwohnungen zu halten, bedürfe es jährlich 1500 neue. Die Zeit dränge, so Koch. Das betonte auch Hoffmeister-Kraut und sagte: „Schlüssel für eine ausreichende Wohnraumversorgung ist die dringend notwendige Gewinnung von Bauflächen.“ Dafür müssten auch neue Baugebiete ausgewiesen werden, sagte sie mit Verweis auf eine entsprechende Empfehlung der Studie. Die wohnungspolitische Sprecherin der Grünen Susanne Bay kündigte an: „Ein besonderes Augenmerk werden wir auf Flächengewinnung mit geringem Verbrauch richten.“

Den Kommunen komme bei der Schaffung von Wohnraum die wichtigste Rolle zu, sagte Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Landesmieterbunds. „Das Wichtigste ist, dass die Gemeinderäte, dass die Bürgermeister aufwachen. Sie müssen ihre kommunalen Wohnungsgesellschaften zum Jagen bringen.“ Zusätzlich zu den bisherigen Fördermitteln stellte Hoffmeister-Kraut weitere in Aussicht. Unter anderem sollen Kommunen künftig eine Prämie in vierstelligem Bereich bekommen, wenn sie preisgünstige Wohnungen in Mehrfamilienhäusern schaffen.

Neben dem Mangel an Bauland identifiziert die Studie die hohen Baukosten als einen Grund für fehlende Wohnungen: „Niedrigere und moderate Bau- und Grundstückskosten sind der entscheidende Hebel für mehr bezahlbaren Wohnraum.“ Hoffmeister-Kraut nahm die Prognos-Empfehlung auf, die Landesbauordnung zu entschlacken. Schon lange gibt es innerhalb der Wohnraum-Allianz – und auch innerhalb der grün-schwarzen Regierung – einen Streit um Regeln zu Fahrradstellplätzen und Dachbegrünungen an Neubauten. „Mein Wunsch ist, dass wir zeitnah in die Novellierung der Landesbauordnung gehen können“, so Hoffmeister-Kraut.

In ihrer Sitzung hat die Wohnraum-Allianz eine Reihe von Empfehlungen erarbeitet. Ein heikler Punkt: Die Grunderwerbssteuer soll wieder auf 3,5 Prozent gesenkt werden. 2011 hatte die frisch gewählte grün-rote Regierung die Steuer von 3,5 auf fünf Prozent erhöht, um mit den zusätzlichen Millionen die frühkindliche Bildung und Betreuung im Land zu fördern. In der nun erarbeiteten Empfehlung heißt es, dass den Kommunen dadurch kein Nachteil entstehen soll. Woher das dann fehlende Geld für Kitas kommen soll, bleibt aber offen.

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