Vortrag bei der TEDx-Bodensee.
(Foto: tedx)
Michael Scheyer

An TED-Vorträgen nehmen in den USA Prominente wie Bill Gates oder Al Gore teil. In Friedrichshafen gibt es einen Ableger, bei dem Schüler, Unternehmer und Experten ihre Redekunst erprobten.

Torben Götz warnt die Zuhörer vor: „Ihr müsst wissen, ich bin ein Experte“, sagt der 29-jährige Konstanzer. „Ich bin ein Experte auf einem Gebiet, auf dem man kein Experte sein sollte: Ich weiß, wie man sich richtig schlecht ernährt.“ Dann hält er einen 18-minütigen Vortrag, in dem er erklärt, dass er 20 Jahre lang kein Obst und Gemüse gegessen hat, dass ihm nicht klar war, dass sein Fleischkonsum für viele seiner Beschwerden verantwortlich war und dass er ursprünglich einmal vorhatte, in Mexiko eine Eisdiele zu eröffnen.

Es kam anders. Bei seinem Auslandsaufenthalt in Mexiko stolperte er über „Green Smoothies“ – Shakes aus grünem Gemüse –, stellte seine Ernährung um und gründete mit vier Mitstreitern 2013 einen Cateringservice in Konstanz, der ökologisch nachhaltiges Essen ausliefert. Wie wir uns ernährten, beeinflusse auch die Umwelt. „Jeder Mensch produziert mit seiner Ernährung rund elf Tonnen Treibhausgas im Jahr.“ Nach 18 Minuten kommt Götz zum Ende seines Impulsvortrages: „Weht am Bodensee ein frischer Wind?“, fragt Götz das Publikum, um dann selbst zu antworten: „Ja, es weht ein frischer Wind. Aber dazu müssen wir alle nun die Segel hissen.“

In Debattierklubs geschult

Götz ist der zweite Redner, der am Freitagabend im Friedrichshafener Dornier Museum auf der TEDxBodensee-Konferenz einen Vortrag hält. Er ist humorvoll, pointiert, regt zum Nachdenken an und sehr persönlich. Das kommt an beim Publikum. Dass er auf der TEDxBodensee einen sogenannten „Talk“ halten durfte, erfülle ihn mit Stolz. Als er im Studium zwischen Freiburg und Konstanz pendelte, hörte er mit Vorliebe die Talks der originalen Konferenz TED (Technology, Entertainment, Design) aus den Vereinigten Staaten. Präsidentschaftskandidat Al Gore, Google-Gründer Larry Page und Microsoft-Gründer Bill Gates haben dort schon einen 18-minütige Vortrag gehalten. Die TED ist in Amerika eine große Nummer. Schon in der Schule gibt es Rhetorikkurse und Debattierklubs. Auf der Hochschule verfeinern viele Amerikaner ihre Vortragskünste. So sind die TED-Talks meist ebenso informativ wie spannend.

Die TEDxBodensee ist ein offizieller, regionaler Ableger, dafür steht das kleine x im Namen. Und dass Rhetorikkurse noch kein Standardfach auf der Hochschule ist, ist manchen Talks doch anzumerken. Ein Redner hält eher einen Fachvortrag, ein anderer eher eine Geschichtsvorlesung. Doch sie alle geben den Zuschauern wenigstens neue Blickwinkel mit nach Hause. Dass die Veranstaltung mit rund 50 Zuschauern schlecht besucht ist (maximal 100 Plätze erlaubt die TED-Lizenz), findet nicht nur Torben Götz schade. Woanders sind die Plätze ziemlich begehrt. „Bei uns muss man sich für einen Platz auf einer TEDx richtig bewerben über ein Internetformular“, sagt Janson Cheeramkunnel, ein Student, der extra aus Zürich angereist ist. Er und sein Kommilitone Max Lauber sind große Fans der TED-Talks. Hier lerne man neue Ideen kennen, erfahre, was Menschen antreibe und treffe kreative Gründer. „Ich kenne kein Start-Up, das keinen TED kennt und nicht daran teilnehmen will“, sagt Lauber.

Aber vielleicht liegt die geringe Nachfrage auch daran, dass sich im Bodenseeraum noch keine Szene junger Trendsetter etabliert hat, wie es in Großstädten wie München und Stuttgart der Fall ist. Natürlich gibt es hier etliche hochmoderne Universitäten – Konstanz, Friedrichshafen oder Sankt Gallen. Aber entweder zieht es die Absolventen als Angestellte in die großen Konzerne oder als Gründer in große Städte.

Bei TEDx mit dabei sind die beiden Ravensburger Designstudenten Paul Brenner und Shoko Hara, die ihren Kurzfilm „Abita“ vorstellen, der weltweit zahlreiche Preise auf Kurzfilmfestivals gewonnen hat und über 300 000 Mal im Internet angesehen wurde. Im TED-Talk sprechen sie über das, was sie als nachhaltiges Design bezeichnen. „Wir können gesellschaftliche Probleme mit Design bekämpfen“, sagt Brenner. „Und Design muss nicht immer gleich die Lösung mit anbieten. Es kann auch nur auf die Probleme hinweisen.“

In wenigen Wochen werden die Talks im Internet unter www.tedxbodensee.de zu sehen sein. Einen Film, in dem Shoko Hara und Paul Brenner über nachhaltiges Design sprechen, gibt es ab Montagnachmittag auf schwaebische.de/tedxbodensee

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