Heimspiel für Stefan Mappus
(Foto: Kara Ballarin)
Landes-Korrespondentin

Vor beinahe fünf Jahren hat Stefan Mappus seine letzte große politische Rede gehalten. Nun ist er wieder da – er, dessen Name gerade in Zeiten des Landtagswahlkampfes viele CDUler lieber nicht aussprechen möchten.

Nicht so die Parteifreunde in seiner Heimat im Enzkreis/Pforzheim. Beim Neujahrsempfang der CDU Mühlacker feiern sie den umstrittenen Ex-Ministerpräsidenten vorbehaltlos.

Per Direktmandat in den Landtag

Immer mehr Stühle werden in den kleinen Raum der Musikschule Gutmann gequetscht. Etwa 130 Menschen sind zum Neujahrsempfang an diesem nasskalten Sonntag nach Mühlacker nahe Pforzheim gekommen. Ein Name auf der Einladung hat gezogen: Stefan Mappus. Hier hat seine politische Karriere begonnen.

Hier ist er vor 31 Jahren in die CDU eingetreten. Hier war er Kreisvorsitzender der Jungen Union, später der CDU, und er war im Gemeinderat. Die Wähler schickten ihn von hier aus per Direktmandat in den Landtag. Man kennt sich, die meisten sprechen ihn mit „Stefan“ an und kämpfen sich, notfalls mithilfe von Ellenbogen, bis zu ihm durch, um ein paar Worte mit dem 49-Jährigen zu wechseln.

Landes-CDU hält Mappus auf Distanz

Er habe auch Anfragen von Landtagskandidaten, bei Veranstaltungen zu sprechen, sagt Mappus der „Schwäbischen Zeitung“. Wie viele, sagt er nicht, nur, dass er alle ausschlägt. Lediglich bei einer überlegt er noch, ob er sie annehmen möchte. Die Landes-CDU hält Mappus auf Distanz.

Die meisten Abgeordneten und Kandidaten versuchen, seinen Namen gar nicht zu erwähnen oder seine 15-monatige Amtszeit als Ministerpräsident kleinzureden. Denn viele lasten ihm bis heute an, der Regierung aus Grünen und SPD überhaupt den Weg bereitet zu haben.

Wenn es Fukushima nicht gegeben hätte

Die größte öffentliche Kritik erntete Mappus für den 4,7 Milliarden teuren Rückkauf der EnBW-Aktien vom französischen Energieversorger EdF, den er quasi im Alleingang durchgezogen hat. Und für seinen Umgang mit den Stuttgart-21-Gegnern.

Peter Napiwotzky, Vizevorsitzender des Mühlacker CDU-Verbands, kündigt den Gastredner voller Bewunderung an. Mappus habe eine steile Karriere hinter sich, sagt er, und: „Ministerpräsident wäre er wohl noch heute, wenn es Fukushima nicht gegeben hätte.“

Lanze für Angela Merkel brechen

Dann redet Mappus. „Ich hoffe, dass ich politisch nicht zu eingerostet bin“, sagt er, der im August 2011 sein Landtagsmandat zurückgab. Bedächtig geht er auf die Themen ein, die Deutschland, die EU und die Welt umtreiben. Viele seiner Sätze klingen wie Selbstanalysen.

Wenn er etwa „eine Lanze für Angela Merkel“ in der Flüchtlingsfrage bricht, sagt er: „Es gibt Momente in der Politik, in denen es einsam wird, wenn man Entscheidungen treffen muss.“ Manches spricht er auch ohne Umwege an. Zum EnBW-Deal etwa sagt er: „Ich stehe übrigens dazu. Ich würde das heute noch mal so machen.“

Nach seiner Rede, die wie eine Bewerbung für Aufgaben in der EU klingt, spenden ihm die Anwesenden rhythmischen Applaus. Ob er auf die politische Bühne zurückkehren will, lässt Mappus offen – auch wenn es ein paar Dinge in seinem politischen Leben gegeben habe, die „nicht so schön waren“. „Vertraglich bin ich bis 2019 gebunden“, sagt das Vorstandsmitglied der Münchener IT-Berater-Firma PMONE AG. Danach sehe man weiter.

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