Schwäbische Zeitung

Zur Mitte des Schuljahres erhalten Schüler für gewöhnlich ein Zeugnis. Es zeigt Stärken und Schwächen und soll dabei helfen, letztere bis zur Versetzung in die nächste Klassenstufe nach Möglichkeit anzugehen. Um eine Leistungsbilanz zur Halbzeit ging es auch am Freitagabend in der Cafeteria des neuen Medienhauses in Ravensburg. Benotet wurde die Bildungspolitik der grün-roten Landesregierung. Mitglieder der Zeugniskonferenz: Claus Schmiedel, Chef der SPD-Landtagsfraktion, Bernd Saur, Landesvorsitzender des Philologenverbandes, und Peter Gitzen von der Ravensburger Agendagruppe „Schule neu denken“, Mitglied des Ravensburger Gesamtelternbeirats.

Auf der Suche nach dem Bildungssystem, das jedem Schüler gerecht wird, rasselten insbesondere Schmiedel und Saur immer wieder aneinander, ob es nun um Entlastungsstunden ging, um Hausaufgabenbetreuung oder um die ganz große Frage der Sinnhaftigkeit des längeren gemeinsamen Lernens an der Gemeinschaftsschule, das sich die Landesregierung auf die Fahnen geschrieben hat. „Wir ordnen nichts an, wir bieten nur einen neuen Schultyp an“, warb Schmiedel.

Grundsätzliche Zweifel

Saur bezweifelte dagegen grundsätzlich den Nutzen der neuen Schulform. „Wenn Eltern von begabten Kindern feststellen, dass deren Potenzial nicht genug gefördert wird, dann kaufen sich die Leute raus aus dem Schulsystem und schicken ihre Kinder auf teure Privatschulen.“ So sei die Situation in Großbritannien und Frankreich, sagte Saur, der als Lehrer für Englisch und Französisch am Gymnasium in Ulm-Wiblingen unterrichtet.

Peter Gitzen engagiert sich zwar als Vater eines Gymnasiasten im Ravensburger Gesamtelternbeirat. Ein Verfechter des reinen Gymnasiums ist er dennoch nicht. Er spricht sich für das gemeinsame Lernen aus. „Aber die neue Schulform hat im Moment wenig Chancen.“ Durch die geringe Zahl der Gemeinschaftsschulen werde die Mobilität der Eltern eingeschränkt.

Einigkeit zwischen allen Beteiligten herrschte an genau einem Punkt: beim Wunsch nach mehr neunstufigen Gymnasialklassen (G9). „Ein Gros der Elternschaft will die Rückkehr zu G9 haben“, sagte Gitzen. Saur bezeichnete die ursprüngliche Abkehr von G9 als Fehler, und Schmiedel garnierte seine Einschätzung, es gebe zu wenig G9, mit einem Seitenhieb gegen den Koalitionspartner: „Das liegt an den Grünen.“

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