Großrazzia gegen illegale Millionentransfers - Durchsuchungen auch im Südwesten

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Razzia in Duisburg
Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf sind gegen eine „international agierende kriminelle Vereinigung“ vorgegangen. (Foto: Christoph Reichwein/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Polizei, Steuerfahndung und Justiz sind am Dienstagmorgen in Baden-Württemberg und vier anderen Bundesländern mit einer Großrazzia gegen illegale Millionentransfers ins Ausland vorgegangen. Im großen Stil sollen 27 Beschuldigte im Alter zwischen 23 und 61 Jahren Bargeld aus Deutschland ins Ausland transferiert haben.

Gegen sechs Beschuldigte liegen demnach Haftbefehle vor, die teils mit Spezialeinsatzkräften vollstreckt worden seien, teilten das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mit. Nicht bekannt ist bislang, in welcher baden-württembergischen Region die Ermittler im Einsatz waren.

Die Durchsuchungsaktion mit mehr als 850 Beamten richte sich gegen „illegale Finanzstrukturen und die Sicherung illegal erlangter Vermögenswerte“. 62 Durchsuchungsbeschlüsse für Wohnungen und Firmen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Hamburg und Berlin sowie in den Niederlanden seien vollstreckt worden. Die Aktion wurde von einer neu eingerichteten „Task Force NRW“ geleitet. Zuerst hatten die „Süddeutsche Zeitung“, der WDR und der NDR berichtet.

Auf diesem Wege wurde mutmaßlich illegal erworbenes Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Euro am legalen Bankensystem vorbei in andere Staaten transferiert.

Ein Sprecher des LKA

Die Verdächtigen sollen ihre Transaktionen über das informelle Überweisungssystem Hawala abgewickelt haben. Es ermöglicht Transfers abseits der Banken, weil Mittelsmänner auf Vertrauensbasis arbeiten. So untersteht es keiner Kontrolle und hinterlässt keine Spuren.

In dem System wird das Geld einem Vertrauensmann übergeben, der einen weiteren Vertrauensmann beim Empfänger mit der Auszahlung beauftragt. So geben Kunden zum Beispiel ihr Geld in einem Telefonladen oder bei einem Gemüsehändler ab, zahlen eine geringe Gebühr und bekommen dafür eine Code-Nummer - mit deren Hilfe sich der Empfänger die Summe irgendwo auf der Welt in einem Hawala-Laden auszahlen lassen kann.

„Auf diesem Wege wurde mutmaßlich illegal erworbenes Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Euro am legalen Bankensystem vorbei in andere Staaten transferiert“, teilte das LKA mit.

Laut dem Medienbericht sollen die illegalen Überweisungen ohne die nötige Banklizenz vor allem in die Türkei geflossen sein. Es gehe um rund 200 Millionen Euro. Der Schwerpunkt der Razzia liege im Großraum Duisburg, wo unter anderem Metallfirmen, Juweliere und Privatwohnungen durchsucht würden.

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