Zehn der 302 Gemeinschaftsschulen im Land sind derzeit in einem Schulverbund.
Zehn der 302 Gemeinschaftsschulen im Land sind derzeit in einem Schulverbund. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Landes-Korrespondentin

Die Gemeinschaftsschulen im Südwesten sollen künftig problemlos Schulverbünde mit anderen Schulen eingehen dürfen – wie alle anderen Schularten auch. Genau das wollten Grüne und SPD in der letzten Legislaturperiode verhindern. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht in der angestrebten Änderung des Schulgesetzes indes eine neue Möglichkeit für die Kommunen, flexibel auf die Bedürfnisse vor Ort einzugehen. Kritiker wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sehen darin einen weiteren Schuss gegen die Gemeinschaftsschule. Sie biete ja bereits Lernen auf Realschulniveau. Ein Verbund etwa mit einer Realschule sei daher nicht sinnvoll.

Zehn der 302 Gemeinschaftsschulen im Land sind derzeit in einem Schulverbund – etwa in Munderkingen im Alb-Donau-Kreis. Bei solchen Verbünden können gemeinsame Räume genutzt werden und Lehrer über die Schulgrenzen hinweg tätig sein. Dass es so wenige sind, liegt an den bisherigen gesetzlichen Vorgaben. Generell darf eine Gemeinschaftsschule keinen Schulverbund eingehen – und wenn, dann nur unter rigiden Voraussetzungen. Die jeweiligen Schulen mussten etwa eine Mindestzahl an Klassen haben. Oder der Verbund bekam ein Verfallsdatum von fünf Jahren – mit dem Ziel, dass die andere Schulart in der Gemeinschaftsschule aufgeht. Der Hintergrund: Als Grüne und SPD die „Schule für alle“ zum Schuljahr 2012/2013 eingerichtet haben, wollten sie diese perspektivisch als einzige Schulart etablieren – später dann mit dem Bekenntnis zum Gymnasium als zweite Säule der Schullandschaft. Dieser Traum scheint inzwischen geplatzt. Die Grünen regieren nun mit der CDU. Seither setzt sich die CDU-Kultusministerin gezielt wieder für die Stärkung der anderen Schularten ein.

Dass die Schulverbünde generell möglich werden sollen, kann als Symptom dafür gedeutet werden, dass die Gemeinschaftsschule nicht länger privilegiert wird. So zumindest argumentiert die CDU, die ein entschiedener Gegner der Schule war. Der Allgäuer CDU-Abgeordnete Raimund Haser sagte dazu im Landtag: „Der Automatismus der Schulverbünde, dass Realschulen langfristig zu Gemeinschaftsschulen werden müssen, ist jetzt abgeschafft. Das ist wichtig.“ Die SPD wettert indes schon lange gegen die grün-schwarze Politik. Sie sieht den Druck auf die Gemeinschaftsschule immer weiter wachsen. „Es kann heute nicht von einer Stärkung der Gemeinschaftsschule gesprochen werden“, sagte Stefan Fulst-Blei im Landtag.

Der Verein für Gemeinschaftsschule wirft der Ministerin vor, die Schulart zu ignorieren, oder sogar schlechtzureden. Damit macht er Eisenmann mit dafür verantwortlich, dass die Anmeldezahlen zurückgingen. Eisenmann argumentiert indes mit Gleichbehandlung aller Schularten. Jüngst hatte sie etwa gesagt, dass sie von zehn Gemeinschaftsschulen wisse, die mit ihrem weiteren Bestehen haderten. Für diese werde sie Lösungen finden. Konkret wurde das Beispiel von Neckarsulm bekannt.

„Ideal für den ländlichen Raum“

Für die Grünen-Abgeordnete Andrea Bogner-Unden aus Sigmaringen bleibt die Gemeinschaftsschule indes „die Schule der Zukunft“, an der die steigende Heterogenität der Schülerschaft aufgefangen werde. Realschule und Gymnasium leisteten das nicht. In einem Papier, das der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt, bezeichnet sie die Schule zudem als ideal für den ländlichen Raum, um kleine Schulstandorte halten zu können.

Vielleicht durchlebt die Gemeinschaftsschule auch normale Häutungsprozesse. Beobachter wie der Bildungswissenschaftler Thorsten Bohl aus Tübingen werfen Grün-Rot nämlich vor, im Eifer des Anfangs zu viele Standorte genehmigt zu haben. „Viele Gemeinschaftsschulen sind ja aus Hauptschulen hervorgegangen. Die Gemeinschaftsschule ist noch sehr stark geprägt vom Hauptschulmilieu“, sagte er jüngst der „Schwäbischen Zeitung“. Manche erfüllten den pädagogischen Anspruch nicht.

Hürde für Oberstufe: Der SPD-Abgeordnete Stefan Fulst-Blei wirft der CDU einen „Feldzug“ gegen die Gemeinschaftsschule vor. Das zeige sich etwa daran, dass den Gemeinschaftsschulen weitere Steine in den Weg gelegt würden, wenn diese eine gymnasiale Oberstufe einrichten wollen. Hat eine Gemeinde perspektivisch genügend Schüler für eine Oberstufe an ihrer Gemeinschaftsschule, kann sie diese beantragen. Hat sie diese nicht, muss sie mit Nachbargemeinden Verträge abschließen. Mit diesen verpflichten sich die Nachbargemeinden dazu, etwa keine eigene Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule zu beantragen. Fulst-Blei bezeichnet diese Verträge als unnötige Hürde und hatte beim Kultusministerium deren Rechtmäßigkeit hinterfragt. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wehrte sich in ihrer Antwort, die der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt, gegen den Vorwurf. „Der Kampf der CDU gegen die Gemeinschaftsschule geht unbeirrt weiter“, sagt indes Fulst-Blei. „Die Grünen müssen ihrem kleinen Koalitionspartner endlich Einhalt gebieten.“

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