Schwäbische Zeitung
Klaus Wieschemeyer
Redakteur

Der bisherige Betreiber auf Gäu- und Murrbahn ist auch der neue: Die Deutsche Bahn erhielt am Freitag vom Land Baden-Württemberg den Zuschlag für den Nahverkehr auf beiden Strecken: Damit setzte sich der Staatskonzern auf dem Netz 3b gegen fünf weitere Konkurrenten durch und soll von 2017 bis 2025 für das Land eine Verkehrsleistung von 2,1 Millionen Zugkilometern erbringen.

Obwohl der Betreiber bleibt, wird sich für die Fahrgäste einiges ändern: So soll der angejahrte Fuhrpark auf der Strecke im Dezember 2017 durch komplett neue Züge ersetzt werden. Derzeit sind auf der Gäubahn noch Nahverkehrszüge der im Jahr 1999 eingeführten Modellreihe DB425 unterwegs. Auf der Murrbahn verkehren sogar noch die wegen ihrer einstigen Lackierung „Silberlinge“ genannten „n-Wagen“, die zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren westdeutscher Nahverkehrs-Standard waren.

Talent 2 ersetzt den Silberling

Stattdessen sollen künftig „Talent 2“-Züge des Herstellers Bombardier zwischen Bodensee und Jagst unterwegs sein: Die vierteiligen Elektrotriebzüge im schwarz-weiß-gelben Landesdesign (siehe Grafik) sollen über jeweils 215 Sitz- und 30 Radstellplätze verfügen. Das Land verspricht den Fahrgästen barrierefreien Zugang, Klimaanlage und für Internetnutzer Mobilfunkverstärker und (wahrscheinlich sogar kostenloses) W-Lan-Netz.

Und zumindest nordöstlich von Stuttgart soll auch die Zugfrequenz steigen: In den Hauptverkehrszeiten soll der Halbstundentakt bis Schwäbisch Hall ausgedehnt, die Fahrtzeit bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof zudem um „bis zu 15 Minuten“ verkürzt werden, kündigt das Verkehrsministerium an. Dauerhaft schwebt dem Land eine massive Ausweitung der Bahnverbindungen vor allem in der Großregion Stuttgart vor, um den wachsenden Pendlerverkehr rund um die Landeshauptstadt in den Griff zu bekommen.

„Erwartungen erfüllt“

„Mit unserem Angebot haben wir unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen können“, sagt DB-Regio-Manager Andreas Moschinski-Wald. Zusammen mit der ab 2017 geplanten Ausweitung des Fernverkehrs verbessere die Bahn ihr Angebot vor allem auf der Gäubahn gewaltig, ergänzt ein Bahnsprecher. Auch im Verkehrsministerium gibt man sich zufrieden. In Vertretung des derzeit urlaubenden Ministers Winfried Hermann (Grüne) betont Amtschef Uwe Lahl nun den Erfolg der jetzigen Teil-Ausschreibung: „Unsere ökonomischen Erwartungen wurden vollständig erfüllt“, schwärmt Lahl.

Hatte die CDU-geführte Regierung beim Großen Verkehrsvertrag von 2003 das Gros der Leistungen bei der Bahn eingekauft, setzen die Grünen auf viele Teilausschreibungen einzelner Verbindungen. So laufen aktuell unter anderem noch die Verfahren für die Ende 2016 neu zu vergebenden Strecken Donau-Ostalb (Brenztalbahn) und Stuttgart-Ulm-Bodensee (Südbahn), wo allerdings nicht mit neuen, sondern mit gebrauchten Zügen geplant wird. Während die CDU-Opposition die getrennten Vergaben für zu umständlich, langwierig und aufwändig hält, ist Lahl vom jetzigen Ergebnis begeistert: Der Landeszuschuss liege deutlich unter dem des Großen Verkehrsvertrages von 2003. Bekomme die Bahn heuer pro Zugkilometer noch 11,69 Euro, falle der Zuschuss im nun vergebenen Netz 3b auf 8,22Euro pro Zugkilometer.

Ministerium ist mit sich zufrieden

„Damit bestätigt sich, dass der vom Land in Gang gesetzte Wettbewerb bei der Neuvergabe dazu führt, die Kosten spürbar zu senken und dennoch die Qualität der Fahrzeuge und damit den Komfort für die Fahrgäste deutlich zu steigern“, sagt Lahl.

Um auch kleineren und kapitalschwächeren Anbietern den Zugang zum Bahnmarkt im Südwesten zu ermöglichen, hatte das Land ein „BW-Modell“ zur Fahrzeugfinanzierung eingeführt: Dabei kauft eine Landesanstalt die Züge und verpachtet sie für die Nutzung weiter an den Anbieter. Auf diese Weise entstehe mehr Wettbewerb, da ansonsten der Staatskonzern Bahn bei der Fahrzeugbeschaffung bessere Kreditkonditionen erhalte als die Konkurrenz, argumentiert Hermann. Dass nun ausgerechnet die Bahn den Zuschlag erhalten hat, stört Hermanns Amtschef nicht: Die Vergabestrategie habe sich „auf ganzer Linie als erfolgreich“ erwiesen.

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