Nadia Murad erhält Friedensnobelpreis 2018
Die Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad Basee Taha spricht im niedersächsischen Landtag. (Foto: Julian Stratenschulte/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an Nadja Murad ist in Baden-Württemberg mit großer Zustimmung aufgenommen worden. „Wir freuen uns von Herzen für sie über diese große Ehrung“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag in Stuttgart. „Diese unglaublich starke, junge Frau machte uns allen deutlich, dass sie sich nicht als Opfer des sogenannten "Islamischen Staates" verstehen wollte, sondern als Überlebende mit Mut und Würde“, betonte der Grünen-Politiker.

Kretschmann hatte seinerzeit maßgeblichen Anteil daran, dass im Rahmen eines Hilfsprojektes für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak mehr als 1000 von IS-Terroristen bedrohte jesidische Frauen und Kinder im Südwesten aufgenommen wurden. Unter ihnen war auch Nadia Murad. Als Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen macht sie auf die Qualen der IS-Opfer aufmerksam.

„Wir können sagen, sie hat hier in Baden-Württemberg eine zweite Heimat gefunden, wo sie sich sicher fühlen kann, wo wir sie schützen“, sagte Kretschmann. Die Preisverleihung sei eine Ermutigung für alle, die sich gegen Terror und für eine friedliche Welt einsetzten.

Die irakische Menschenrechtsaktivistin erhält den Friedensnobelpreis gemeinsam mit dem kongolesischen Arzt Denis Mukwege, wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag bekanntgab. Die mit umgerechnet etwa 860 000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember in Oslo verliehen.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) würdigte Murad als „starke, bewundernswerte“ Frau. „Nadia Murad erlebte die furchtbaren Verbrechen des IS-Terrors. Sie hat sich aber entschieden, nicht zu verzweifeln, nicht daran zu zerbrechen, sondern aufzustehen und zu kämpfen, für die Rechte aller Menschen, gegen die Gewalt gegen Frauen, gegen islamistischen Terror, für eine bessere Welt“.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, Uli Sckerl, sagte: „Man kann nur den allerhöchsten Respekt aufbringen für ihr weltweites Engagement für Frauenrechte, Menschenrechte und den Kampf gegen sexuelle Gewalt.“ Der Preis sei eine „hochverdiente Würdigung ihres Einsatzes für die Rechte von Frauen und Mädchen, für den Schutz vor sexualisierter Gewalt und für die vom IS verfolgten Jesidinnen und Jesiden“, hieß es in einer Erklärung der Landesvorsitzenden der Grünen, Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand.

„Wir alle schulden gerade Nadia Murad tiefen Dank für ihre fast übermenschliche Art, mit ihrer Vergangenheit umzugehen“, erklärte die SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier. „Sie lässt nicht nach in ihrem Kampf, damit Terroristen, Menschenhändler und Kriegsverbrecher zur Rechenschaft gezogen werden.“

SPD-Generalsekretärin Luisa Boos betonte die Vorbildfunktion von Murad. „Sie hat in ihrem jungen Leben so unfassbar viel Grausamkeit erlebt. Sie fand die Stärke, darüber zu sprechen und wurde so zur Stimme des Leidens der Jesidinnen. Wenn eine junge Frau diesen Preis verdient hat, dann Nadia Murad.“

Der Trauma-Spezialist Jan Ilhan Kizilhan, der Murad nach ihrer Flucht aus der Gewalt von IS-Terroristen ärztlich betreute, hofft nach eigenen Worten, dass der Preis auch einen stabilisierenden psychischen Effekt für Murad und andere von sexueller Gewalt betroffene Frauen hat. Die Auszeichnung zeige, „dass die Welt sie gehört hat“, sagte er im Radioprogramm SWR Aktuell. „Wenn ich denke, wie wir Nadia Murad 2015 vorgefunden haben und dass sie jetzt eine Stimme ihres Volkes ist - ein großartiger Preis für eine Frau, die es verdient hat, ein großartiger Preis auch an die Landesregierung in Baden-Württemberg, die es ermöglicht hat, dass Nadia Murad diese Entwicklung machen konnte.“

Informationen zum Friedensnobelpreis (englisch)

Bisherige Friedensnobelpreisträger (englisch)

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