Fragmentarische Legende: Walsers neues Buch „Mädchenleben“

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Martin Walser
Martin Walser, Schriftsteller, aufgenommen während einer Lesung. (Foto: Ulf Mauder / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Wieder ein neues Buch von Martin Walser: Mit „Mädchenleben oder die Heiligsprechung“ hat der 92-Jährige eine Idee umgesetzt, die er schon 1961 in seinen Tagebüchern notiert hatte. Fast 60 Jahre später ist daraus ein schmales Büchlein geworden, das Walser selbst als „Legende“ bezeichnet. Und tatsächlich - als Roman lässt sich die Geschichte nicht so recht bezeichnen, nur angedeutet ist die Handlung. In deren Zentrum steht Sirte, ein ungewöhnliches Mädchen, das bei Sturm in den See rennt und in einem zahmen Raben ihren engsten Vertrauten sieht. Irgendwann ist Sirte verschwunden und ihr Vater - selbst nicht weniger sonderbar - will sie heilig sprechen lassen. Dazu bittet er seinen Untermieter Anton Schweiger um Hilfe, der Sirte längst verfallen ist.

Den größten Teil des Buches nimmt Schweigers Beschreibung von Sirte ein - voll mit den typischen Walser-Sätzen, denen man sich als Leser nur schwer entziehen kann. So heißt es beispielsweise: „Sirte einmal zu mir: Ich kann mich nicht zusammennehmen. Ich müsste mich entschließen, die Arme auszustrecken, dass die Hände irgendwo Halt fänden. Ich treibe abwärts. Vielleicht nimmt die Geschwindigkeit zu. Und Angst habe ich auch. Diese Angst macht müde. Ich könnte gähnen vor Angst.“ Hinzu kommen Gedankenfetzen, Überlegungen und religiöse Einsichten von Sirte selbst. Doch trotz der fragmentarischen Erzählweise und dem Nicht-Vorankommen der Handlung zieht das Büchlein einen in Bann - und die nicht einmal 100 Seiten sind schnell gelesen.

Walser ist nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart, sondern auch sehr produktiv. Allein bei seinem Verlag Rowohlt - zu dem Walser im Jahr 2004 von Suhrkamp gewechselt war - erschienen seit damals bisher 19 Bücher. Schreiben sei für ihn wichtiger als das Sprechen, sagte der Autor im vergangenen Jahr bei der Vorstellung seines Romans „Spätdienst“. Es sei für ihn eine Urgewohnheit. „Schreiben ist das einzige, das ich von selbst tue, ohne dass ich muss.“

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